Eltern mit KleinkindernEntwicklung von BabysEntwicklung von Kindern 3 1 Nadine Hell März 28, 2025
Wie Babys und Kleinkinder Schritt für Schritt lernen – und was du dabei wissen solltest
Dein Einjähriger sitzt am Tisch, schaut dich mit leuchtenden Augen an – und schleudert mit Begeisterung eine Handvoll Nudeln quer durchs Esszimmer. Während du noch versuchst, Tomatensauce von der Wand zu wischen, fragst du dich vielleicht: Was denkt sich dieses Kind bloß dabei?!
Die ehrliche Antwort: erstmal gar nichts. Es fühlt. Es erlebt. Es lernt – mit vollem Körpereinsatz.
Babys kommen mit Milliarden Gehirnzellen auf die Welt. Das klingt erst mal beeindruckend. Aber: Diese Zellen sind anfangs noch kaum miteinander verknüpft. Erst mit jeder neuen Erfahrung entstehen Verbindungen – sogenannte Synapsen – die das Gehirn formen und prägen. Dieser Prozess beginnt direkt nach der Geburt und läuft besonders intensiv in den ersten drei Lebensjahren ab.
Das bedeutet auch: Dein Kind plant keine „Aktionen“. Es probiert einfach aus. Es entdeckt mit allen Sinnen – völlig absichtslos, aber höchst lernintensiv.
Der bekannte Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther betont: Die Erfahrungen, die ein Kind in dieser sensiblen Entwicklungsphase macht, strukturieren sein Gehirn. Oder anders gesagt: Was Kinder erleben, formt, wie sie später denken, fühlen und handeln.
In den ersten Lebensmonaten läuft alles über die Sinne. Geräusche, Farben, Körperkontakt, Gerüche, Geschmäcker – all das ist wie ein reichhaltiges Buffet für das Gehirn. Jede Sinneserfahrung wird gespeichert und miteinander verknüpft. So entsteht Schritt für Schritt ein Verständnis für die Welt.
Dabei sind viele Entwicklungsschritte anstrengender, als sie auf den ersten Blick wirken. Ein Baby, das beginnt, nach Dingen zu greifen, vollbringt eine echte Höchstleistung. Kein Wunder also, wenn solche Phasen oft mit schlechter Laune oder Unruhe einhergehen.
Denk mal daran, wie anstrengend es wäre, den ganzen Tag zu üben, dich irgendwo hochzuziehen – nur um dann nach ein paar wackeligen Schritten wieder auf dem Po zu landen. Genau das erleben Kinder beim Laufenlernen. Und trotzdem geben sie nicht auf. Warum? Weil ihre Begeisterung für Neues riesengroß ist.
Wusstest du, dass Bewegung für die geistige Entwicklung enorm wichtig ist? Studien zeigen: Kinder, die viel klettern, balancieren und körperlich aktiv sind, haben oft ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen – was später sogar beim Mathematiklernen hilft.
Also: Lass dein Kind matschen, rutschen, springen und durch Pfützen hüpfen! Auch wenn’s manchmal unpraktisch ist – genau dabei sammelt es die Bausteine für sein künftiges Denken.
Kleinkinder denken anders als Erwachsene. Sie verstehen noch keine abstrakten Gefahren. Wenn deine Tochter also zum dritten Mal versucht, alleine die Treppe hochzuklettern, ist das kein Trotz – sondern Neugier und Forscherdrang. Ein „Nein“ versteht sie zwar, aber nicht in vollem Umfang.
Kinder reagieren stark auf deine Körpersprache. Wenn du ruhig bleibst, klare Signale gibst und konsequent bleibst, wird sie allmählich begreifen, was gemeint ist.
Ab etwa 18 Monaten beginnt eine spannende – und manchmal herausfordernde – Phase. Dein Kind erkennt: Ich bin ich! Es entwickelt einen eigenen Willen, testet Grenzen und möchte mitbestimmen. Konflikte sind jetzt vorprogrammiert – und völlig normal.
Wutausbrüche im Supermarkt, weil der Einkaufswagen „falsch“ gefahren wurde? Nicht logisch, aber menschlich. In diesen Momenten ist dein Kind selbst überfordert. Es braucht dich als sicheren Anker, nicht als Richter.
Auch wenn du innerlich seufzt – bleib ruhig, bleib zugewandt. Dein Kind lernt gerade, sich selbst und seine Gefühle zu regulieren. Und das geht nicht von heute auf morgen.
Die wichtigste Grundlage für Entwicklung? Sicherheit und Geborgenheit. Dein Kind braucht eine verlässliche Bezugsperson, die tröstet, stärkt und da ist – bedingungslos. Daraus entsteht Selbstvertrauen.
Laut Prof. Hüther gibt es zwei Grundbedürfnisse, die jedes Kind mitbringt:
Dazugehören – Teil einer liebevollen Gemeinschaft sein.
Gestalten dürfen – selbst etwas schaffen, entdecken, erleben.
Kinder haben eine natürliche Begeisterungsfähigkeit. Bis zu 50 Mal am Tag erleben sie kleine Glücksmomente, die ihr Gehirn regelrecht zum Leuchten bringen. Das ist pures Lernfutter!
Eine reizarme Umgebung hilft Kindern, sich zu fokussieren. Zu viele Eindrücke – Termine, laute Umgebungen, Dauerbespaßung – überfordern das junge Gehirn. Stattdessen: freie Spielräume, offene Schubladen, Kissenburgen, ein paar Töpfe zum Ausräumen – das reicht völlig.
Langeweile? Nur auf den ersten Blick ein Problem. Denn aus ihr entstehen Kreativität und neue Ideen.
Fernsehen, Tablet und Co.? Bitte so spät wie möglich. Kinder unter drei Jahren können die schnellen Bildfolgen nicht verarbeiten – sie brauchen echte, greifbare Erfahrungen, um zu lernen.
Du musst kein Unterhaltungsprogramm bieten. Es reicht völlig, wenn du da bist. Wenn du tröstest, begleitest und Vertrauen schenkst. Lass dein Kind entdecken, mach dich zum Verbündeten, zur sicheren Basis. Und nimm dir ab und zu die Freiheit, wieder selbst zum Kind zu werden – beim Klettern, Matschen oder Geschichten-Erfinden.
Denn wenn ihr gemeinsam staunt, lacht und neugierig seid – dann lernen alle. Nicht nur die Kleinen.
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