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Wenn Liebe zu viel wird: Warum Verwöhnen deinem Kind nicht guttut

Schenken, umsorgen, trösten, beschützen – all das gehört zur Elternliebe. Doch wo endet Fürsorge und wo beginnt Verwöhnen? Eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Vor allem dann nicht, wenn dein Kind dich mit großen Augen anschaut – und du ihm einfach jeden Wunsch von den Lippen ablesen willst.

Aber: Ist es wirklich immer gut, sofort „ja“ zu sagen? Oder raubt es deinem Kind wichtige Chancen für seine Entwicklung?

Verwöhnen – was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff „verwöhnen“ klingt auf den ersten Blick harmlos, fast liebevoll. Doch dahinter steckt oft ein unbewusster Erziehungsstil, der Kindern langfristig schadet. Schon der Psychotherapeut Erwin Wexberg beschrieb vor über hundert Jahren, wie verwöhnende Erziehung aussehen kann: Wenn das Kind zum Mittelpunkt der Familie wird, jeder Wunsch sofort erfüllt wird und Mama oder Papa sich vom Kind regelrecht „dirigieren“ lassen.

Heute zeigt sich Verwöhnung nicht nur in übermäßiger Zärtlichkeit oder Geschenken – sondern vor allem auch im Verhalten. Eltern, die ihrem Kind wenig zutrauen, es ständig beschützen oder ihm jede Anstrengung ersparen wollen, nehmen ihm wichtige Lernerfahrungen. Klingt hart? Ist aber leider wahr.

Typische Anzeichen für Verwöhnung

Erziehungswissenschaftler wie Rolf Frick unterscheiden verschiedene Formen von Verwöhnung. Hier ein paar Beispiele, bei denen du dich vielleicht selbst wiedererkennst:

  • Du greifst sofort ein, wenn dein Kind ein Problem hat – statt es erst mal selbst ausprobieren zu lassen.

  • Du machst dir Sorgen, ob es die Aufgabe auch wirklich schafft.

  • Du räumst Hindernisse lieber schnell selbst aus dem Weg.

  • Du kaufst oft neue Spielsachen oder gibst deinem Kind alles, worum es bittet.

  • Du sagst selten „nein“, um Streit zu vermeiden.

  • Du überlässt deinem Kind die Führung im Alltag – vom Essen bis zur Abendgestaltung.

Klar – all das passiert oft mit den besten Absichten. Wer will schon Tränen riskieren oder einen Wutanfall provozieren? Doch genau hier wird’s heikel.

Warum zu viel Liebe auch schwächen kann

Es ist eine unbequeme Wahrheit: Wer Kinder zu sehr verwöhnt, nimmt ihnen die Chance, mit Frust, Konflikten oder kleinen Enttäuschungen umzugehen. Doch genau diese Erfahrungen sind wie ein Trainingslager fürs Leben. Kinder, die früh lernen, dass nicht jeder Wunsch sofort erfüllt wird, entwickeln Resilienz – also seelische Widerstandskraft.

Prof. Klaus Hurrelmann, Jugendforscher, bringt es auf den Punkt: „Kinder bekommen zu wenig von dem, was sie brauchen, wenn sie zu viel von dem bekommen, was sie wollen.“

Oder anders gesagt: Liebe ist wichtig – aber klare Grenzen sind es auch.

Nein sagen – warum es sich lohnt

Viele Eltern scheuen den Konflikt, vor allem in der stressigen Alltagsroutine. Ein „Nein“ kann Tränen bringen, Wutanfälle provozieren oder den Hausfrieden stören. Aber: Ein konsequentes „Nein“ heute erspart dir viele Kämpfe morgen.

Kinder brauchen Klarheit. Regeln geben ihnen Halt. Wenn du konsequent bleibst – freundlich, aber bestimmt –, weiß dein Kind, woran es ist. Und Überraschung: Es wird sich sogar sicherer fühlen. Denn wer weiß, dass Mama oder Papa auch mal standhaft bleiben, spürt, dass da jemand ist, der Verantwortung übernimmt.

Fehler machen ist erlaubt – für Eltern und Kinder

Du hast manchmal das Gefühl, alles falsch zu machen? Willkommen im Club! Perfekte Erziehung gibt es nicht. Jeder von uns hat mal zu früh nachgegeben oder zu spät reagiert. Das Entscheidende ist: Fehler einzugestehen – und daraus zu lernen.

Kinder dürfen und sollen auch mal besser sein als ihre Eltern. Nur so entwickeln sie Selbstbewusstsein und ein stabiles Selbstwertgefühl.

Was Kinder wirklich stark macht

Statt Geschenke oder ständiger Aufmerksamkeit brauchen Kinder:

  • Raum, um selbst Lösungen zu finden

  • Gelegenheiten, an kleinen Herausforderungen zu wachsen

  • das Erlebnis, auch mal Frust auszuhalten

  • das Wissen, dass nicht jeder Wunsch in Erfüllung geht

  • Eltern, die liebevoll begleiten – aber nicht alles aus dem Weg räumen

Du kannst deinem Kind nicht alle Schwierigkeiten ersparen. Aber du kannst ihm helfen, stark genug zu werden, um damit umzugehen. Und genau das ist das größte Geschenk, das du ihm machen kannst.

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