Meine beste Freundin hat mir zur ersten Schwangerschaft eine Babyshower organisiert. Pastellrosa Luftballons, ein Spiel mit Baby-Fotos von uns allen als Kleinkinder, ein Geschenketisch. Nett war es. Aber als die letzten Gäste gegangen waren, stand ich vor einem Berg Geschenkpapier und einem Kinderzimmer, das immer noch aussah wie ein Abstellraum.
Genau da setzt die Nesting-Party an. Der Trend kommt aus den USA und dreht das Prinzip einfach um: Statt zu feiern und zu beschenken, wird geholfen. Praktisch, direkt, mit Werkzeug in der Hand.
Was genau ist eine Nesting-Party
Das Wort kommt vom englischen “nest”, also Nest. Gemeint ist damit der Nestbautrieb, den viele Schwangere kurz vor der Geburt spüren. Auf einmal will man Schränke ausmisten, Wäsche vorwaschen, das letzte Regal noch anbringen. Bei mir war das in der 36. Woche so schlimm, dass ich um 23 Uhr noch Babystrampler nach Größe sortiert habe.
Eine Nesting-Party nimmt genau dieses Bedürfnis und macht es zur gemeinsamen Aktion. Freundinnen und Familie kommen nicht mit Geschenken, sondern mit Zeit. Sie bauen Möbel auf, kochen Portionen fürs Gefrierfach vor oder helfen beim Ordnungssystem für die Wickelkommode.
Kein Ratespiel mit Bauchumfang. Keine Deko, die nach der Party wieder im Müll landet.
Warum mich die klassische Babyshower nie ganz überzeugt hat
Ich will nicht meckern. Meine Babyshower war liebevoll gemeint. Aber ich hatte danach fünf Strampler in Größe 50 bis 62, obwohl mein Sohn erst im Winter geboren wurde und diese Größe im Frühling schon zu klein war. Dazu kam eine Wickeltasche, die ich nie benutzt habe, weil ich längst eine andere hatte.
Was mir gefehlt hat: jemand, der mit mir das Auto vollpackt und zum Baumarkt fährt, um die letzten Regalbretter zu holen. Jemand, der mit mir zusammen die Kartons vom Umzug ausräumt, die seit vier Monaten im Flur stehen.
Genau das würde eine Nesting-Party leisten. Und ehrlich, das hätte mir mehr gebracht als jedes noch so süße Strampler-Set.
So könnte eine Nesting-Party bei dir aussehen
Es gibt kein festes Rezept, aber ein paar Bausteine tauchen in fast jeder Nesting-Party auf:
- Kinderzimmer einrichten: Möbel aufbauen, Wände streichen, Kartons ausräumen.
- Essen vorkochen: Gemeinsam eine Kochsession für die ersten Wochen nach der Geburt, portionsweise eingefroren.
- Kleidung sortieren: Nach Größen ordnen, aussortieren, was zu klein oder zu warm ist.
- Kleine Erledigungen: Der letzte Großeinkauf vor dem Entbindungstermin, die Wäsche vor der Geburt einmal komplett durchwaschen.
Wichtig ist nur eine Sache: Du musst vorher sagen, was du wirklich brauchst. Meine Nachbarin hat bei ihrer zweiten Schwangerschaft genau das gemacht. Sie hat eine Liste geschrieben und in der Familien-WhatsApp-Gruppe geteilt. Ihre Schwester hat sich für “Kühlschrank vorkochen” gemeldet, ihr bester Freund für “IKEA-Möbel aufbauen, ich bringe den Akkuschrauber mit”.
Am Ende saßen alle zusammen, haben Pizza gegessen und über Namen fürs Baby diskutiert. Praktisch und trotzdem gesellig. Beides ging.
Woher der Wechsel kommt
Dass sich der Fokus von Deko und Geschenken hin zu echter Unterstützung verschiebt, hat wahrscheinlich mehrere Gründe. Werdende Eltern wohnen heute oft weiter weg von der eigenen Familie als früher. Wer keine Großeltern in der Nähe hat, die spontan vorbeikommen und beim Umräumen helfen, muss sich seine Unterstützung anders organisieren.
Auch die Pandemie hat da einiges verschoben. Plötzlich zählte weniger, wer die schönste Deko hatte, und mehr, wer wirklich greifbar war, wenn es eng wurde.
In den USA ist die Nesting-Party mittlerweile ziemlich etabliert. In Deutschland ist der Trend noch neu, taucht aber zunehmend in Elterngruppen und auf Social Media auf.
Muss es das eine oder das andere sein
Nicht unbedingt. Du kannst auch beides kombinieren: erst ein bisschen feiern, dann gemeinsam anpacken. Oder du lädst zur Nesting-Party ein und bittest trotzdem um ein kleines Mitbringsel, falls dir doch noch was fehlt.
Was für dich passt, hängt davon ab, was du gerade brauchst. Bei meiner ersten Schwangerschaft hätte ich die Deko und die Aufmerksamkeit gebraucht, weil ich unsicher war und Gesellschaft wollte. Jetzt, beim zweiten Kind, würde ich sofort sagen: kommt vorbei und helft mir, den Kinderwagen zu entstauben und das Hochbett fürs große Kind zusammenzuschrauben, damit das Babybett frei wird.
Falls du gerade schwanger bist und überlegst, was du deinen Freundinnen sagen sollst, wenn sie fragen, was sie tun können: Sei konkret. “Irgendwas mit Baby” hilft niemandem. “Kannst du mit mir am Samstag die Umzugskartons im Kinderzimmer ausräumen” schon eher.



