Background

Frühförderung oder früher Förderwahn? Was dein Baby wirklich braucht

Manche Eltern melden ihr Baby schon mit neun Monaten zum Englischkurs an. Andere sagen: „Ach was, is doch eh no jeder groß g’worn.“ Klingt vertraut? Willkommen im Spannungsfeld zwischen Förderlust und Förderfrust.

Dabei ist es wichtig, einen klaren Unterschied zu machen: Frühförderung und frühe Förderung sind nicht dasselbe. Frühförderung ist eine medizinisch und entwicklungspsychologisch begründete Unterstützung – für Kinder, die sie wirklich brauchen. Frühzeitige Förderung hingegen ist freiwillig, Geschmackssache – und manchmal auch Trend.

Gerade in einer Welt, in der Bildung oft schon im Babyalter beginnt, spüren viele Eltern den Druck, nichts zu „versäumen“. Doch ist das wirklich notwendig?

Jedes Kind folgt seinem eigenen Tempo

Babys sind keine Wettbewerbsmaschinen. Jedes entwickelt sich auf seine Weise, nach einem inneren Bauplan. Man kann diesen Weg begleiten, aber nicht beschleunigen – und schon gar nicht „nach vorne pushen“, nur weil andere das tun.

Ein Baby wird nicht zur Sprachkünstlerin, weil es mit neun Monaten in einem Englischkurs war. Und doch: Es gibt Kinder, die sehr wohl früh Unterstützung brauchen. Zum Beispiel, wenn sie sich kaum bewegen, nicht greifen oder kaum reagieren – oder wenn sie sehr unruhig sind, häufig schreien oder schwer in Kontakt kommen.

In solchen Fällen ist es gut, wenn Kinderärzt*innen genau hinsehen und im Zweifel eine Frühförderstelle empfehlen. Frühförderzentren sind darauf spezialisiert, Entwicklungsverzögerungen frühzeitig zu erkennen und mit gezielten Therapien zu begleiten. Manchmal genügt schon ein kleiner Anstoß – und das Kind kann sich in seiner ganz eigenen Kraft entfalten.

Was braucht mein gesundes Kind?

Wenn dein Kind gesund ist und sich altersgerecht entwickelt, kannst du dich entspannen. Du musst nicht auf jeden Förder-Zug aufspringen. Doch was ist sinnvoll – und was vielleicht eher zu viel des Guten?

Das Angebot an Babykursen ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Von PEKiP über Baby-Schwimmen bis zur Musikgruppe – die Auswahl kann überfordern. Dabei stellt sich eine zentrale Frage: Wem hilft das eigentlich – dem Baby oder eher uns Eltern?

Sinnvoll fördern im Alltag

Du brauchst keine fünf Kurse pro Woche, um dein Baby zu fördern. Schon zu Hause kannst du viel tun:

  • Räume mit Kissen und Matratzen umgestalten – für neue Krabbelabenteuer.

  • Den Alltag gemeinsam meistern: Wäsche sortieren, Gemüse waschen, beim Einkaufen helfen.

  • Viel reden, singen, vorlesen – Sprache entsteht durch Nähe und Interaktion.

  • Langeweile zulassen! Wenn ein Kind sich langweilt, entstehen oft die kreativsten Spielideen.

Kinder, die sich auch mal alleine beschäftigen dürfen, lernen Selbstständigkeit, entwickeln Fantasie und erleben kleine Erfolgsmomente. Diese sind pures Selbstvertrauen – ein Schatz fürs Leben.

Kurse – ja oder nein?

Natürlich kann ein Kurs auch bereichern. Wenn du Lust hast, dich mit anderen Eltern auszutauschen, neue Spielideen zu bekommen und dein Baby in einer neuen Umgebung zu erleben – go for it! Wichtig ist nur: Mach es, weil du willst, nicht weil du denkst, du musst.

Hier ein Überblick über beliebte Angebote – und was wirklich dahintersteckt:

Babymassage

Ab etwa der dritten Lebenswoche kannst du mit deinem Baby einen Massagekurs besuchen. Die meisten Kurse orientieren sich an der indischen Babymassage nach Frédérick Leboyer. Dabei lernst du, dein Kind achtsam und liebevoll zu berühren – oft kombiniert mit Griffen aus der Akupressur, die bei Blähungen oder Unruhe helfen können.

Babymassage schenkt Nähe, Entspannung und einen besonderen Moment der Verbundenheit.

PEKiP – Prager-Eltern-Kind-Programm

Ab etwa 4 Wochen geht’s los: Babys erleben in kleinen Gruppen Bewegung, Sinnesreize und Nähe – meist ohne Kleidung, damit sie sich freier spüren. Ob Streicheln mit Federn, Schaukeln im Tuch oder Krabbelparcours – PEKiP setzt Impulse zur ganzheitlichen Entwicklung.

Wichtig: Es geht nicht darum, Kinder zu vergleichen. Eine gute Kursleitung erkennt, wo dein Kind gerade steht, und gibt liebevolle Anregungen – ohne Bewertung, ohne Druck.

Musik für die Kleinsten

Musikgruppen bieten Babys eine Welt aus Klang, Rhythmus und Freude. Klanghölzer, Glöckchen und Rasseln fördern Gehör und Motorik, gemeinsames Singen stärkt Bindung und Sprachgefühl.

Ziel ist nicht, kleine Mozarts zu züchten – sondern Musik gemeinsam zu erleben.

Babyschwimmen

Schwimmen lernen Babys dabei nicht – aber sie entdecken das Element Wasser. Das stärkt den Gleichgewichtssinn und macht einfach Spaß. Du lernst, wie du dein Kind sicher im Wasser hältst, wie es spielerisch planschen kann – und wie ihr euch im warmen Wasser ganz nah kommt.

Wenn du aber keine Wasserratte bist: Kein Stress. Auch ohne Schwimmkurs wird dein Kind später schwimmen lernen – garantiert.

Krabbelgruppen

Ob als Spielgruppe im Gemeindezentrum oder privat organisiert – hier geht’s vor allem um Austausch. Begrüßungslieder, gemeinsames Spielen, Basteln oder einfach ein Kaffee mit anderen Eltern: Solche Gruppen geben Halt, Freundschaft und Inspiration.

Und wie viel ist genug?

Ein bis zwei Kurse pro Woche reichen völlig. So bleibt Raum für freies Spiel, Spaziergänge, Kuschelzeit – und auch mal für Langeweile. Was dein Baby am meisten braucht, ist Zeit mit dir. Dein Lächeln, deine Stimme, deine Nähe.

Wenn du dich für Kurse entscheidest: wunderbar. Wenn nicht – auch wunderbar! Mit Liebe, Aufmerksamkeit und ein bisschen Neugier auf euer gemeinsames Abenteuer machst du alles richtig.

Denn was dein Kind wirklich stark macht, sind nicht perfekte Förderpläne – sondern Geborgenheit, Sicherheit und das Gefühl, bedingungslos geliebt zu werden.

© 2023 heinmedia Verlags GmbH | Impressum

Über Bauch und Baby

Wir sind ein Autorenteam das Sie mit den Inhalten versorgen möchte welches Sie in dieser wichtigen Phase des Lebens bewegen. Wir sind für sie daher und zwar hautnah! 🙂

Schreiben Sie uns was Sie Wissen möchten und abonnieren Sie ihren personalisierten Newsletter.

Login to enjoy full advantages

Please login or subscribe to continue.

Go Premium!

Enjoy the full advantage of the premium access.

Login

Stop following

Unfollow Cancel

Cancel subscription

Are you sure you want to cancel your subscription? You will lose your Premium access and stored playlists.

Go back Confirm cancellation