Du stehst bei der Vorsorge auf der Waage, sagen wir in der 24. Woche, und deine Hebamme schaut kurz auf die Zahl, notiert sie und lächelt. Du selbst bist unsicherer. Zwei Kilo mehr als letzten Monat, ist das viel? Wenig? Die Frage kommt fast bei jedem Termin wieder hoch. Eine einzige richtige Antwort gibt es dafür nicht. Aber es gibt Werte, an denen du dich orientieren kannst, und ein paar Dinge, die gut zu wissen sind, bevor dich die Zahl auf der Waage nervös macht.
Wie viel Zunahme gilt als normal
Wie viel Gewicht sinnvoll ist, hängt vor allem von deinem Ausgangsgewicht ab. Ärztinnen und Hebammen orientieren sich dabei am BMI (Body-Mass-Index) vor der Schwangerschaft. Frauenärzte im Netz fasst die gängigen Richtwerte so zusammen:
| Ausgangsgewicht | Empfohlene Zunahme bei Einlingsschwangerschaft |
|---|---|
| Untergewicht (BMI unter 18,5) | 12 bis 18 kg |
| Normalgewicht (BMI 18,5 bis 24,9) | 11 bis 16 kg |
| Übergewicht (BMI 25 bis 29,9) | 7 bis 11 kg |
| Adipositas (BMI ab 30) | 5 bis 9 kg |
Den BMI musst du nicht selbst ausrechnen. Er ergibt sich aus deinem Gewicht vor der Schwangerschaft geteilt durch deine Körpergröße in Metern zum Quadrat, und in der Praxis oder bei der Hebamme liegt der Wert ohnehin schon vor. Bei Zwillingen liegt die übliche Zunahme bei 16 bis 20 kg, bei Drillingen bei bis zu 25 kg. Das sind Richtwerte, keine Vorgaben. Manche Frauen nehmen deutlich weniger zu und bekommen trotzdem ein gesundes Baby, andere mehr. Dein Körper reagiert individuell, und das ist normal.
Wann nehme ich wie viel zu
Die Kilos kommen nicht gleichmäßig. Typisch ist eher ein Muster mit drei unterschiedlichen Phasen:
Im ersten Trimester, also bis etwa zur 12. Woche, passiert auf der Waage oft wenig. Manche nehmen ein halbes bis zwei Kilo zu, andere verlieren durch Übelkeit sogar etwas. Beides kommt vor.
Im zweiten Trimester, zwischen der 13. und der 28. Woche, wird die Zunahme deutlicher. Zwei bis drei Kilo pro Monat sind hier üblich, der Bauch wird sichtbar rund.
Im dritten Trimester, ab der 29. Woche, legt der Körper noch einmal zu. Zwei bis vier Kilo pro Monat gelten als normal, weil das Baby jetzt am stärksten wächst.
Am Ende stehen so, je nach Ausgangsgewicht, 10 bis 16 Kilo oder mehr auf der Waage. Wie sich das auf den Bauch selbst auswirkt, also wie schnell er wächst und was dabei normal ist, kannst du im Beitrag zum Bauchumfang nachlesen, das ist nochmal ein eigenes Thema für sich.
Was in den Kilos steckt
Viele sind überrascht, dass das Baby selbst gar nicht den größten Anteil ausmacht. So verteilt sich die Zunahme im Durchschnitt:
| Anteil | Durchschnittliches Gewicht |
|---|---|
| Baby | 3 bis 4 kg |
| Plazenta | ca. 0,5 bis 0,7 kg |
| Fruchtwasser | ca. 1 kg |
| Gebärmutter | ca. 1 kg |
| Brüste | ca. 1 kg |
| Mehr Blut im Körper | ca. 1 bis 1,5 kg |
| Wassereinlagerungen | ca. 2 bis 3 kg |
| Fettreserven für die Stillzeit | ca. 2 bis 3 kg |
Zusammen ergibt das schnell 10 bis 16 Kilo. Jeder Teil davon hat eine Funktion. Das Blutvolumen steigt, damit dein Baby ausreichend versorgt wird. Die Fettreserven sind für die Stillzeit gedacht, auch wenn du am Ende gar nicht oder nur kurz stillst.
Wenn die Zahl stark abweicht
Manchmal weicht die eigene Kurve deutlich von den Tabellenwerten ab, nach oben wie nach unten. Das muss nicht gleich ein Problem sein. Wichtiger als die genaue Zahl ist, ob du dich einigermaßen wohlfühlst, ob dein Baby sich bei den Vorsorgeterminen gut entwickelt und ob Blutwerte und Ultraschall unauffällig sind.
Eine sehr schnelle oder sehr starke Zunahme kann in seltenen Fällen mit Schwangerschaftsdiabetes zusammenhängen. Das heißt nicht, dass das bei dir zutrifft, aber deshalb gehört der Zuckertest zur Vorsorge dazu. Gesundheitsinformation.de erklärt gut verständlich, worauf der Test schaut und was ein auffälliger Wert bedeutet. Bei starken Blutungen, plötzlichen Schmerzen oder wenn du dir unsicher bist, ob sich etwas ungewöhnlich anfühlt, ist deine Hebamme oder Frauenärztin ohnehin die richtige Ansprechperson, unabhängig davon, was die Waage gerade sagt.
Nimmst du deutlich weniger zu als erwartet, lohnt sich ebenfalls das Gespräch beim nächsten Termin, statt zu Hause zu grübeln. Oft steckt nichts dahinter außer einem trägen Appetit im ersten Trimester. Aber klären lässt es sich am besten dort, wo auch deine Werte vorliegen.
Essen, Bewegung und der Alltag dazwischen
Für zwei essen musst du nicht. Der Mehrbedarf an Energie liegt laut DGE im zweiten und dritten Trimester bei überraschend wenig, deutlich weniger, als die meisten annehmen. Sinnvoller als mehr Menge ist oft mehr Vielfalt auf dem Teller, also Gemüse, Vollkorn und ausreichend Eiweiß, ergänzt um das, worauf du gerade Lust hast.
Bewegung tut in fast jeder Schwangerschaft gut, sofern keine Komplikationen dagegensprechen. Ein Spaziergang nach dem Abendessen, Schwimmen am Wochenende oder ein Schwangerschaftsyoga-Kurs, alles das hilft dem Kreislauf und oft auch der Stimmung.
Und der Vergleich mit anderen Schwangeren bringt herzlich wenig. Die eine Kollegin hat mit 9 Kilo entbunden, die andere mit 18, beide Babys waren gesund. Deine Kurve ist deine eigene, und deine Hebamme behält sie ohnehin im Blick, bei jedem einzelnen Termin.
