Wenn sich bei werdenden Vätern plötzlich Übelkeit, Rückenschmerzen und Heißhunger einstellen, spricht man vom Couvade-Syndrom: Manche Männer entwickeln während der Schwangerschaft ihrer Partnerin ähnliche körperliche und seelische Beschwerden wie die Frau selbst – von morgendlicher Übelkeit bis zu Stimmungsschwankungen. Aber was steckt dahinter? Welche Rolle spielen Hormone, Stress und Identifikation bei der Vaterrolle? Und wie können Paare damit umgehen?

Typische Symptome

Männer mit Couvade-Syndrom erleben sowohl körperliche als auch psychische Beschwerden, meist während des ersten Trimesters der Schwangerschaft ihrer Partnerin. Sie zeigen:

  • Körperliche Symptome: Gewichtszunahme („sympathischer Schwangerschaftsbauch“), Übelkeit, Erbrechen, Verdauungsprobleme, Sodbrennen, Heißhunger, Müdigkeit, Rückenschmerzen oder Zahnschmerzen.

  • Emotionale Symptome: Gereiztheit, Ruhelosigkeit, Angstzustände, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen oder eine verminderte Libido.

Diese Beschwerden treten oft unbewusst auf und sind keine bewusste Vortäuschung.

Warum bekommen Männer Schwangerschaftssymptome?

Die genauen Ursachen sind bisher nicht vollständig geklärt. Der Psychologe Arthur Brennan von der St. George’s University of London folgt der Theorie, dass Männer, die das Couvade-Syndrom erleben, ein starkes Bedürfnis haben, sich mit der Schwangerschaft und dem Baby zu identifizieren. Sie möchten sich aktiv an der Schwangerschaft beteiligen und Teil des Prozesses sein.

  • Hormonelle Veränderungen: Studien zeigen, dass Männer mit Couvade-Syndrom erhöhte Prolaktinwerte und sinkendes Testosteron aufweisen. Prolaktin ist auch bei Frauen für die Milchproduktion zuständig.
  • Stress und Überforderung: Die bevorstehende Verantwortung als Vater, finanzielle Sorgen oder Unsicherheiten können sich psychosomatisch äußern.
  • Psychologische Ursachen: Unbewusste Ängste, der Verlust der Partnerin an das Kind oder ein starker Identifikationswunsch mit der Schwangerschaft könnten die Symptome hervorrufen.
  • Kulturelle und soziale Faktoren: Historisch gab es Couvade-Rituale, bei denen Männer zum Beispiel Wehen nachahmten, um symbolisch Teil der Geburt zu sein. Heute spiegelt sich dies im veränderten Vaterbild wider: Männer sind stärker in die Schwangerschaft eingebunden und empfinden mehr emotionale Nähe.

Wann treten die Symptome auf und wie lange dauern sie?

Meist beginnen Beschwerden im ersten Trimester, lassen im zweiten Trimester nach und treten gegen Ende der Schwangerschaft erneut stärker auf, häufig auch in Verbindung mit Geburtsvorbereitungskursen. Nach der Geburt verschwinden die Symptome in der Regel. Bei einer zweiten Vaterschaft tritt das Syndrom seltener auf.

Was tun bei Couvade-Symptomen?

Das Couvade-Syndrom ist keine Krankheit, dennoch können folgende Maßnahmen helfen:

  • Offene Gespräche mit der Partnerin über Sorgen und Ängste

  • Vorbereitung auf die Vaterrolle, zum Beispiel durch Geburtsvorbereitungskurse oder Informationen zur Säuglingspflege.

  • Professionelle Unterstützung bei starker psychischer Belastung, depressiven Verstimmungen oder Ablehnung der Schwangerschaft

Fazit

Das Couvade-Syndrom zeigt, wie stark Männer emotional und körperlich in die Schwangerschaft ihrer Partnerin involviert sein können. Auch wenn es meist harmlos ist, sollten werdende Väter auf ihre Gesundheit achten und Ängste nicht verdrängen, denn auch ihre mentale Stärke ist wichtig für einen guten Start ins Familienleben.