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Wenn nach der Geburt die Gefühle Achterbahn fahren: Babyblues und Wochenbettdepression erkennen und verstehen

Warum die ersten Tage nach der Geburt oft schwieriger sind, als man denkt – und wie du diese emotionale Herausforderung meisterst.

Stell dir vor, du hältst endlich dein Baby in den Armen – nach all den Monaten voller Vorfreude, Pläne und kleiner Träume. Der Raum ist erfüllt von Neugier, Freude und den sanften Geräuschen eines Neugeborenen. Doch statt des erwarteten Glücksgefühls schleicht sich plötzlich eine leise Unsicherheit ein. Die Welt um dich herum fühlt sich seltsam weit entfernt an, die Fragen werden lauter: „Werde ich das alles schaffen? Warum fühle ich mich so verloren?“

Wenn dir diese Gedanken vertraut vorkommen, bist du nicht allein. Viele Mütter erleben in den ersten Tagen nach der Geburt eine emotionale Achterbahnfahrt – der Babyblues. Doch was passiert da eigentlich in deinem Kopf und Herzen? Und wie kannst du diesen Sturm an Gefühlen gut überstehen? Lass uns das gemeinsam erkunden.

Was ist der Babyblues?

Etwa am dritten Tag nach der Geburt erreichen die hormonellen Umstellungen ihren Höhepunkt – oft zeitgleich mit dem Einschießen der Milch. Viele Frauen erleben in dieser Phase eine emotionale Krise: Weinkrämpfe, Sorgen, und das Gefühl, mit der neuen Verantwortung überfordert zu sein. Doch keine Sorge, dieser Zustand ist völlig normal. In der Regel verfliegt der Babyblues nach ein oder zwei Tagen, und die Gefühle stabilisieren sich wieder. Halten die Symptome jedoch länger an, könnte es sich um eine ernsthaftere Wochenbettdepression handeln.

Warum kommt es zu einer Wochenbettdepression?

Die Ursachen einer Wochenbettdepression sind noch nicht vollständig geklärt, aber es steht fest, dass die Geburt eine gewaltige Umstellung für Körper und Seele ist. Der Stress, die Schlaflosigkeit und die neuen Herausforderungen können eine enorme Belastung darstellen. Oft haben Frauen in der Schwangerschaft klare Vorstellungen davon, wie das Leben mit dem Baby aussehen wird. Doch die Realität kann anders sein – und das ist in Ordnung.

In unserer Gesellschaft existiert nach wie vor das Bild der „glücklichen Mutter“, die von Anfang an alles im Griff hat. Viele Frauen setzen sich dadurch selbst enorm unter Druck, sofort perfekt zu sein. Doch die Wahrheit ist: Es braucht Zeit, sich in der neuen Rolle als Mutter einzuleben, und es ist völlig normal, dass das nicht sofort gelingt.

Wie erkennst du eine Wochenbettdepression?

Statt überglücklich zu sein, wie es von außen oft erwartet wird, können dich Gefühle von Traurigkeit, Erschöpfung, Lustlosigkeit und Pessimismus überwältigen. Vielleicht hast du Schlafprobleme oder fühlst dich deinem Baby gegenüber sogar ängstlich oder abweisend. Wenn du solche Gefühle erlebst, sei ehrlich zu dir selbst. Du bist nicht allein damit – viele Mütter machen ähnliche Erfahrungen, auch wenn nur wenige offen darüber sprechen. Es ist kein Grund, sich zu schämen. Im Gegenteil: Offene Gespräche mit deinem Partner, Freunden oder anderen Müttern können dir helfen, dich zu entlasten.

Unterstützung suchen – und annehmen

Eine wertvolle Ansprechpartnerin ist deine Hebamme. Sie hat nicht nur während der Schwangerschaft eine wichtige Rolle gespielt, sondern ist auch jetzt eine Expertin, wenn es darum geht, die emotionalen Veränderungen nach der Geburt zu erkennen. Zögere nicht, sie oder deine Ärztin/deinen Arzt anzusprechen, wenn du merkst, dass die Stimmungstiefs anhalten.

Manchmal reicht schon ein offenes Gespräch aus, um Klarheit zu schaffen. Es gibt jedoch auch professionelle Unterstützung, wenn der Babyblues in eine Wochenbettdepression übergeht. Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Emotionelle Erste Hilfe: Sanfte Unterstützung für Eltern und Babys in emotionalen Krisen

Die ersten Wochen nach der Geburt können ein emotionaler Wirbelsturm sein. Auf die Freude und die Faszination über das neue Leben folgen häufig auch Momente von Überforderung, Erschöpfung und Unsicherheit. Was tun, wenn der Stress überhandnimmt, das Baby viel schreit und man sich hilflos fühlt? Hier setzt die Emotionelle Erste Hilfe (EEH) an.

Was ist EEH?

Die Emotionelle Erste Hilfe (EEH) ist eine körperorientierte Methode, die von dem Diplompsychologen Thomas Harms entwickelt wurde. Sie basiert auf Erkenntnissen aus der Körperpsychotherapie, der Gehirn- und Bindungsforschung und hat das Ziel, die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind zu fördern.

Kern der Methode ist es, Eltern in emotionalen Krisen zu unterstützen, indem sie durch Körperarbeit und Gespräche lernen, ihre eigenen Spannungen und Ängste abzubauen. Denn nur wer selbst entspannt ist, kann diese Ruhe auch an sein Baby weitergeben. EEH bietet den Eltern einen sicheren Raum, um ihre Gefühle zu klären und den Kreislauf von Stress und Anspannung zu durchbrechen.

Wie funktioniert EEH?

Die EEH-Therapeuten arbeiten mit verschiedenen Techniken, um Eltern dabei zu helfen, wieder in Kontakt mit sich selbst und ihren Emotionen zu kommen. Das kann durch gezielte Atemübungen, sanfte Körperberührungen oder haltgebende Körperarbeit geschehen. Ziel ist es, die innere Anspannung zu lösen und so den Weg für eine tiefe Bindung zum Baby zu ebnen.
EEH wird in verschiedenen Situationen eingesetzt:
Unterstützung während der Schwangerschaft: Wenn werdende Eltern Unsicherheiten oder ambivalente Gefühle gegenüber dem ungeborenen Kind haben, kann EEH helfen, diese zu klären und die Bindung zu stärken.
Begleitung in Wochenbettkrisen: Wenn Babys stundenlang schreien und Eltern sich hilflos fühlen, bietet EEH eine Methode, die eigene Anspannung abzubauen und dadurch wieder offen für die Signale des Kindes zu werden.
Traumaverarbeitung: Nach belastenden oder traumatischen Geburtserfahrungen kann EEH Eltern und Babys helfen, körperliche Blockaden zu lösen und die natürliche Selbstregulation des Kindes wiederherzustellen.


Wann kann EEH helfen?

Die Emotionelle Erste Hilfe kann in allen Phasen, in denen Stress, Angst und emotionale Überforderung dominieren, eine wertvolle Unterstützung sein. Besonders hilfreich ist die Methode:     

Bei übermäßigem Schreien des Babys: Wenn das Baby schwer zu beruhigen ist, hilft EEH, die innere Ruhe der Eltern wiederherzustellen und so das Kind durch die eigene Gelassenheit zu beruhigen.                   

Bei Bindungsschwierigkeiten: Wenn Eltern das Gefühl haben, keinen Zugang zu ihrem Baby zu finden, hilft EEH, die emotionale Verbindung zu stärken.

Nach traumatischen Geburtserfahrungen: EEH unterstützt Eltern und Babys dabei, den emotionalen Schock zu verarbeiten und in einen liebevollen Kontakt zu treten.

Wo wird EEH angeboten?

In Bayern wird EEH in verschiedenen Hebammenpraxen, Geburtshäusern und bei Therapeuten, die in Körperpsychotherapie ausgebildet sind, angewendet. Es gibt Eltern-Kind-Gruppen, die nach EEH-Prinzipien arbeiten, sowie spezialisierte Therapeuten, die diese Methode sowohl für die Prävention als auch zur akuten Unterstützung nutzen.

Fazit

Die Emotionelle Erste Hilfe (EEH) ist eine sanfte, aber wirksame Methode, um emotionale Krisen rund um die Geburt zu bewältigen und die Bindung zwischen Eltern und Kind zu stärken. Sie bietet einen liebevollen und sicheren Raum, in dem Eltern lernen können, ihren Stress abzubauen und die Signale ihres Babys besser zu verstehen.

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