Mein Mann hat letzte Woche die Waschmaschine zum dritten Mal an einem Tag angeschmissen. Stoffwindeln, Spucktücher, noch mal Stoffwindeln. Er hat nichts gesagt, aber sein Blick sprach Bände. Willkommen im nachhaltigen Familienalltag, könnte man sagen. Der ist nämlich selten so aufgeräumt, wie er in Ratgebern klingt.

Ich wollte trotzdem kurz erzählen, was bei uns mit Windeln und Kleidung tatsächlich läuft. Nicht die Hochglanzversion. Die Alltagsversion.

Stoffwindeln: ja, aber

Als unsere Tochter auf die Welt kam, war ich fest entschlossen: Stoffwindeln, und zwar von Anfang an. Drei Wochen später stand ich um halb elf abends vor dem Wäscheständer und habe mich gefragt, warum ich mir das freiwillig antue.

Die ehrliche Antwort: weil es sich nach der Anfangsphase eingespielt hat. Ein All-in-One-System wie wir es nutzen, ist im Grunde wie eine Wegwerfwindel anzuziehen, nur dass man sie danach wäscht statt wegwirft. Der Aufwand liegt vor allem am Anfang, wenn man noch nicht weiß, wie viele Windeln man wirklich braucht und welches Waschprogramm funktioniert.

Rund 20 bis 25 Windeln braucht man für den Dauerbetrieb, das kostet einmalig ein paar Hundert Euro. Danach ist es günstiger als Wegwerfwindeln, aber eben nicht kostenlos, man zahlt mit Strom, Wasser und Zeit am Wäscheständer.

Was mir keiner vorher gesagt hat: manche Kinder vertragen Stoffwindeln besser, andere bekommen davon eher einen wunden Po, weil die Haut länger feucht bleibt. Bei unserem Sohn (der ist jetzt zwei) mussten wir zwischendurch auf Wegwerfwindeln umsteigen, weil sein Po einfach nicht mitgespielt hat. Wenn die Haut über Tage gereizt bleibt oder sich entzündet aussieht, ist das ein Fall für die Kinderärztin, nicht für Ausprobieren (kinderaerzte-im-netz.de).

Öko-Wegwerfwindeln: der Mittelweg für müde Eltern

An manchen Tagen, besonders unterwegs oder wenn die Waschmaschine schon wieder voll war, greife ich zu Wegwerfwindeln mit besserer Ökobilanz. Marken wie Naty oder Moltex verzichten auf Chlorbleiche und Duftstoffe, das ist kein Wundermittel, aber ein Unterschied.

Komplett kompostierbar sind sie trotzdem nicht, das steht ehrlich gesagt auch nirgends versprochen. Für mich war es einfach der Punkt, an dem ich mir gesagt habe: besser als nichts, und ich muss nicht bei jeder Windel ein schlechtes Gewissen haben.

Kleidung: der Second-Hand-Kreislauf, der sich von selbst trägt

Bei Kleidung war die Umstellung für uns tatsächlich leichter als bei Windeln. Babys wachsen so schnell aus ihren Sachen raus, dass Neukauf fast absurd wirkt. Unsere Tochter hat mit vier Monaten schon die nächste Größe gebraucht, der Strampler war da noch nicht mal richtig eingelaufen.

Was bei uns funktioniert:

  • Eine Kiste im Keller für Sachen, die zu klein geworden sind, weitergegeben an die Nachbarin mit dem Baby zwei Größen drunter
  • Vinted für gezielte Suchen, etwa nach einer bestimmten Wollhose im Winter
  • Ein Tauschabend mit drei anderen Mamas aus dem Geburtsvorbereitungskurs, einmal im Quartal, mit Kaffee und viel zu viel Kuchen

Mietmodelle wie Räubersachen habe ich mal ausprobiert, für uns war der Aufwand mit Zurückschicken und Terminen aber größer als der Nutzen. Kann bei anderen Familien anders laufen, gerade wenn man in der Stadt wohnt und die Abholung leicht ist.

Wenn du grundsätzlich noch überlegst, was du überhaupt an Ausstattung brauchst und worauf du beim Kauf achten kannst, haben wir dazu schon einen ausführlicheren Beitrag: Umweltbewusste Babyausstattung.

Was am Ende hängen bleibt

Ich bin nicht die Mama, die bei jeder Wegwerfwindel ein schlechtes Gewissen hat. Aber ich hab gemerkt: die kleinen Gewohnheiten, die sich wirklich halten, sind die, die nicht ständig Kraft kosten. Der Wäscheberg von Montag. Die Kiste im Keller. Der Tauschabend mit Kuchen.

Nachhaltigkeit im Familienalltag sieht bei uns nicht aus wie im Ratgeber. Sie sieht aus wie eine Waschmaschine, die dreimal am Tag läuft, und ein Vinted-Konto mit 47 gemerkten Artikeln, von denen ich vielleicht drei kaufe.