Der Wasserkocher brummt, die Tasse steht schon bereit, und dann der kurze Stopp: Darf ich diesen Tee eigentlich noch trinken? So ging es mir in der zehnten Woche, als ich den Kaffee weggelassen hatte und dachte, Tee sei automatisch die sichere Alternative. Ein Blick auf die Zutatenliste zeigte mir schnell: nicht jede Packung im Küchenschrank ist unbedenklich.

Die kurze Antwort vorweg: Rooibos, Früchtetee, Kamille und Melisse kannst du in der Schwangerschaft ohne schlechtes Gewissen trinken. Bei Ingwer, Schwarz- und Grüntee, Pfefferminz und Salbei reichen ein bis zwei Tassen am Tag. Fenchel, Hibiskus, Johanniskraut, Ginseng und Himbeerblätter vor dem letzten Trimester gehören eher in die Kategorie „erst mit der Hebamme absprechen“. Und zwei bis drei Tassen milder Kräutertee insgesamt pro Tag gelten als guter Richtwert, nicht als Grenze, die du ausreizen musst.

Warum Tee in der Schwangerschaft so beliebt ist

Tee wärmt, wenn dir kalt ist. Er beruhigt den Magen, wenn dir vom Übelkeitsgefühl schon wieder schwindelig wird. Und er hilft manchen Frauen abends beim Runterkommen, wenn der Kopf nicht abschalten will. Kein Wunder, dass Tee für viele Schwangere zur täglichen Gewohnheit wird, gerade weil Kaffee und Softdrinks während der Schwangerschaft ohnehin nur in Maßen empfohlen werden.

Nur: Tee ist nicht gleich Tee. Manche Kräuter, die außerhalb der Schwangerschaft völlig harmlos sind, wirken auf die Gebärmutter oder den Hormonhaushalt anders, wenn ein Baby wächst.

Diese Tees kannst du unbedenklich trinken

  • Rooibostee: koffeinfrei, magenfreundlich, reich an Antioxidantien. Ein Tee, den du dir ohne Nachdenken einschenken kannst.
  • Früchtetee: meist unproblematisch. Wirf trotzdem einen Blick auf die Zutatenliste, manchmal stecken Hibiskus oder Süßholz mit in der Mischung.
  • Kamillentee: wirkt sanft beruhigend bei Bauchweh oder wenn das Einschlafen schwerfällt.
  • Melissentee: unterstützt einen ruhigen Schlaf und tut gut, wenn innere Unruhe dich wach hält.
  • Ingwertee: hilft vielen bei Übelkeit. Trink ihn trotzdem nicht literweise, und sprich bei Blutungsneigung oder im letzten Trimester lieber vorher mit deiner Hebamme.

Diese Tees lieber nur in Maßen

  • Schwarz- und Grüntee: enthalten Koffein, das über die Plazenta auch dein Baby erreicht. Ein bis zwei Tassen am Tag gelten meist als unproblematisch, wichtig ist aber die Koffeinmenge insgesamt, also auch Cola oder Schokolade mitrechnen. Zur gesamten empfohlenen Menge in der Schwangerschaft informieren die Frauenärzte im Netz.
  • Pfefferminztee: kann bei Blähungen helfen, wirkt aber entspannend auf Muskulatur, auch auf die der Gebärmutter. Für den gelegentlichen Genuss meist kein Problem, als Dauergetränk eher nicht.
  • Salbeitee: bei Halsschmerzen in kleinen Mengen okay. Regelmäßig getrunken wirkt er zusammenziehend auf die Gebärmutter, deshalb lieber die Ausnahme bleiben lassen.

Diese Tees besser meiden oder nur nach Rücksprache

Ein paar Kräuter haben eine Wirkung, bei der Vorsicht mehr Sinn macht als Ausprobieren.

Fencheltee enthält den Pflanzenstoff Estragol, der in höheren Mengen im Verdacht steht, unerwünschte Effekte zu haben. Wie genau sich das bei gelegentlichem Teegenuss in der Schwangerschaft auswirkt, ist nicht abschließend erforscht, weshalb viele Hebammen zur Zurückhaltung raten. Einen Überblick zu Kräutertees und ihren Inhaltsstoffen bietet das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Hibiskustee wirkt leicht blutdrucksenkend. In Tierversuchen zeigten sich Effekte auf die Gebärmutter, weshalb besonders im ersten und zweiten Trimester eher zu anderen Sorten geraten wird.

Johanniskrauttee wird gern bei Stimmungstiefs getrunken, kann aber in den Hormonhaushalt eingreifen und mit Medikamenten wechselwirken. Wenn du wegen Stimmungsschwankungen ohnehin in Behandlung bist, gehört das Thema eher in ein Gespräch mit deiner Ärztin als in die Teetasse.

Ginsengtee wirkt kreislaufanregend und hat hormonähnliche Eigenschaften. Dazu gibt es bislang wenig systematische Forschung zur Schwangerschaft, weshalb die meisten Hebammen zum Verzicht raten.

Brennnessel- oder Löwenzahntee in größeren Mengen regen Stoffwechsel und Nierentätigkeit stark an. Eine Tasse hier und da ist meist kein Thema, mehrere Tassen täglich über Wochen eher nicht.

Abführende Tees mit Sennesblättern, Süßholz oder Aloe Vera solltest du komplett stehen lassen. Sie wirken zu stark auf den Darm und stehen im Verdacht, auch die Gebärmutter zu stimulieren.

Himbeerblättertee, der sogenannte Geburtstee

Kurz vor der Geburt taucht er in fast jedem Gespräch auf: Himbeerblättertee, auch „Geburtstee“ genannt. Er soll das Gewebe lockern und die Geburt erleichtern. Ob das wirklich so funktioniert, ist wissenschaftlich nicht klar belegt, dazu gibt es erstaunlich wenig verlässliche Forschung.

Manche Hebammen empfehlen einen langsamen Einstieg ab der 36. Schwangerschaftswoche, zum Beispiel mit einer Tasse täglich. Andere raten komplett davon ab. Vor dem dritten Trimester wird generell abgeraten, weil der Tee die Durchblutung im Beckenbereich anregt. Am besten sprichst du das konkret mit deiner Hebamme ab, bevor du damit anfängst.

Süßen erlaubt? Honig, Zucker und Süßstoff im Tee

Ein Löffel Süße im Tee kann gerade an müden Tagen richtig gut tun.

Honig ist für dich als Schwangere unbedenklich. Er kann Bakteriensporen enthalten, die für Babys im ersten Lebensjahr riskant sind, für Erwachsene mit gesundem Immunsystem aber kein Problem darstellen, wie kindergesundheit-info.de erklärt. Du selbst kannst also beruhigt zum Honig greifen, sobald dein Baby da ist, gilt das dann noch nicht für sein Fläschchen.

Zucker ist ebenfalls erlaubt, ein Teelöffel im Tee ist kein Drama. Dauerhaft hoher Zuckerkonsum erhöht aber das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und eine starke Gewichtszunahme. Zu einer insgesamt ausgewogenen Ernährung in der Schwangerschaft berät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Süßstoffe wie Stevia oder Sucralose gelten in normalen Mengen als unbedenklich. Manche Frauen verzichten trotzdem vorsorglich darauf, weil die Langzeitwirkung nicht abschließend erforscht ist. Wenn dir das lieber ist, greif einfach zu Honig oder lass den Tee ungesüßt.

Wie viel Tee ist insgesamt okay

Zwei bis drei Tassen milden Kräutertee am Tag gelten allgemein als unproblematisch. Wichtig ist Abwechslung, nicht wochenlang dieselbe Sorte in Serie. Und Wasser nebenher, denn manche Tees wirken leicht entwässernd.

Ein kleiner Tipp aus meiner eigenen Küche: lose Bio-Mischungen ohne künstliche Aromen schmecken nicht nur besser, du vermeidest damit auch unnötige Zusatzstoffe. Wenn du dir bei einer bestimmten Packung unsicher bist, wirf sie beim nächsten Termin einfach mit auf den Tisch. Deine Hebamme oder Frauenärztin hat meist in zwei Sätzen eine Antwort, ob genau diese Mischung für dich passt. Mehr rund um Ernährung in der Schwangerschaft findest du auch in unserem Beitrag zur gesunden Ernährung in der Schwangerschaft.