Beim Vorsorgetermin in der 25. Woche reicht dir die Arzthelferin ein Becherchen mit einer sehr süßen, leicht klebrigen Flüssigkeit. Du trinkst sie aus, dann wird eine Stunde lang gewartet und gemessen. Das ist der Zuckerbelastungstest, kurz oGTT, den fast jede Schwangere zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche macht. Ist der erste Wert, der sogenannte 50-Gramm-Vortest, auffällig, folgt ein zweiter, genauerer Test mit 75 Gramm Traubenzucker. Diesmal nüchtern, über zwei Stunden. Erst dieser zweite Test bestätigt die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes, medizinisch Gestationsdiabetes genannt.
Wenn du gerade genau in dieser Situation steckst, frisch diagnostiziert und unsicher, was jetzt passiert: Der nächste Schritt ist ein Termin bei deiner Frauenärztin oder deiner Hebamme, um den Messplan für deinen Blutzucker zu besprechen. Meist heißt das, morgens nüchtern und nach den Mahlzeiten selbst zu messen, erstmal für ein paar Tage, oft für den Rest der Schwangerschaft. Parallel schaut man sich deine Ernährung an. Das ist kein Grund zur Panik, sondern der Beginn einer Sache, die sich in den allermeisten Fällen sehr gut behandeln lässt.
Was im Körper passiert
Dein Körper produziert in der Schwangerschaft jede Menge Hormone, die dein Baby versorgen und dein Gewebe weicher machen. Manche davon schwächen die Wirkung von Insulin ab, dem Hormon, das deinen Blutzucker reguliert. Dein Körper braucht dann mehr Insulin als sonst. Schafft er das nicht, steigt der Blutzuckerspiegel.
Etwa 5 bis 10 von 100 Schwangeren entwickeln einen Gestationsdiabetes, das gehört laut gesundheitsinformation.de zu den häufigsten Diagnosen in der Schwangerschaft überhaupt. Warum es die eine trifft und die andere nicht, lässt sich nicht immer erklären. Dazu gibt es Risikofaktoren, aber auch ganz ohne sie kann es passieren.
Wer ist besonders betroffen
Diese Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit:
- Übergewicht vor der Schwangerschaft
- Alter über 35
- Gestationsdiabetes in einer früheren Schwangerschaft
- Diabetes in der nahen Familie
- Ein früheres Baby mit Geburtsgewicht über 4.000 Gramm
Auch ganz ohne diese Punkte kann der Test auffällig sein. Kommt vor. Deshalb ist der oGTT für alle Schwangeren vorgesehen, nicht nur für Risikogruppen, so empfiehlt es auch frauenaerzte-im-netz.de.
Symptome, die leicht übersehen werden
Meistens merkt man gar nichts. Manche Frauen berichten von mehr Durst, häufigerem Wasserlassen oder stärkerer Müdigkeit. Nur: Das sind auch ganz normale Schwangerschaftsbeschwerden, gerade im letzten Drittel. Ohne den Test würde ein erhöhter Blutzucker in den allermeisten Fällen einfach nicht auffallen. Genau deshalb ist die Routineuntersuchung so aussagekräftig, nicht weil du etwas falsch gemacht hättest, wenn sie auffällig ausfällt.
Was es für dein Baby bedeuten kann
Unbehandelt kann ein erhöhter Blutzucker dazu führen, dass dein Baby stärker wächst als üblich (Ärztinnen nennen das Makrosomie), was die Geburt erschweren kann. Auch ein höheres Risiko für eine Frühgeburt oder eine Unterzuckerung des Babys direkt nach der Geburt gehört dazu. Langfristig steigt zudem das Risiko, dass das Kind später selbst Übergewicht oder eine Zuckerstoffwechselstörung entwickelt.
Das klingt nach viel auf einmal. Wichtig dabei: Wird der Diabetes erkannt und behandelt, sinken diese Risiken deutlich. Genau deshalb der Test. Nicht um dir Angst zu machen, sondern um früh gegensteuern zu können.
Was du jetzt tun kannst
Nach der Diagnose ändert sich der Alltag in kleinen, machbaren Schritten.
Blutzucker messen gehört meistens dazu, morgens nüchtern und nach den Hauptmahlzeiten. Am Anfang fühlt sich das ungewohnt an. Nach ein paar Tagen ist es Routine, wie Zähneputzen mit Piks.
Bei der Ernährung hilft es, Weißmehl und stark gezuckerte Lebensmittel zu reduzieren und stattdessen auf komplexe Kohlenhydrate, Gemüse und ausreichend Eiweiß zu setzen. Wie ein Ernährungsplan für dich konkret aussehen sollte, bespricht man am besten individuell mit der Diabetesberatung oder Ernährungsberatung, an die deine Frauenärztin dich überweisen kann.
Bewegung wirkt sich oft direkt auf die Werte aus. Ein Spaziergang von 20 bis 30 Minuten nach dem Essen kann schon reichen, um den Blutzuckeranstieg abzufedern.
Reicht das alles nicht aus, wird Insulin gespritzt, das betrifft etwa 20 bis 30 von 100 Frauen mit Gestationsdiabetes. Insulin gilt dabei als sicheres Mittel, es gelangt nicht über die Plazenta zum Kind, das bestätigt auch gesundheitsinformation.de.
Nach der Geburt
Bei den meisten Frauen normalisiert sich der Blutzucker kurz nach der Geburt von selbst. Trotzdem wird 6 bis 12 Wochen nach der Entbindung noch einmal ein Zuckertest gemacht, um wirklich sicherzugehen. Diesen Termin lohnt es sich fest einzuplanen, auch wenn gerade viel anderes los ist im Alltag mit Baby.
Denn ein einmal durchgemachter Gestationsdiabetes bedeutet ein erhöhtes Risiko, Jahre später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Wie hoch dieses Risiko im Einzelfall ausfällt, hängt von vielen Faktoren ab, dazu berät am besten deine Hausärztin oder Frauenärztin. Regelmäßige Kontrollen, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung bleiben über die Schwangerschaft hinaus sinnvoll. Nicht als Verzicht, sondern als kleine Gewohnheit, die sich über Jahre auszahlt.

