Fremdeln bezeichnet die Phase, in der ein Baby ängstlich oder ablehnend auf unbekannte oder wenig vertraute Menschen reagiert, während es bei seiner Hauptbezugsperson Nähe sucht. Anders als Schüchternheit, die zum Charakter eines Kindes gehören kann, ist Fremdeln an ein bestimmtes Alter gebunden und vergeht wieder.
Bei den meisten Babys beginnt es zwischen dem 6. und 8. Monat, bei manchen schon ab dem 3. Monat. Deshalb wird die Phase auch Acht-Monats-Angst genannt, auch wenn der genaue Zeitpunkt von Kind zu Kind schwankt. Wie lange sie anhält, ist ähnlich unterschiedlich: bei den einen klingt sie im zweiten Lebensjahr ab, bei anderen zieht sie sich bis ins vierte.
Der Grund liegt in der Wahrnehmung. Ein Baby kann in diesem Alter erstmals Gesichter genau unterscheiden und erkennt, wer zur engsten Bezugsperson zählt und wer nicht. Ein fremdes Gesicht, manchmal sogar das von Papa oder den Großeltern, wirkt dann kurzzeitig verunsichernd. Wie stark das ausfällt, hängt auch vom Temperament des Kindes ab. Verlässliche Zahlen dazu gibt es kaum. Fachleute ordnen das Verhalten der Eltern-Kind-Bindung zu: Fremdeln zeigt, dass ein Kind eine verlässliche Beziehung aufgebaut hat, nicht dass etwas fehlt.
Erkennbar ist Fremdeln daran, dass es an die Situation gebunden ist. Das Baby weint oder klammert bei einer fremden Person, entspannt sich aber, sobald die vertraute Bezugsperson wieder da ist. Anhaltendes Weinen ohne erkennbaren Auslöser oder zusammen mit Fieber gehört dagegen nicht zum Fremdeln und sollte mit der Kinderärztin oder der Hebamme besprochen werden.
Fremdeln überschneidet sich häufig mit Trennungsangst und kann auch die Eingewöhnung in der Kita beeinflussen. Wie du deinem Kind in dieser Phase Sicherheit gibst und worauf es im Kontakt mit Verwandten oder Betreuungspersonen ankommt, beschreibt der Ratgeber Fremdeln: Wenn dein Baby plötzlich scheu wird ausführlich. Die BZgA stuft dieses Verhalten als normalen Entwicklungsschritt ein, der nichts mit Verwöhnung zu tun hat (kindergesundheit-info.de).
