Bei meiner ersten Schwangerschaft hab ich das Folsäure-Präparat aus der Kinderwunschzeit einfach weitergenommen. Ohne groß nachzudenken, neben die Zahnbürste gelegt, fertig. Bei der zweiten Schwangerschaft, die gerade läuft, hab ich mich dann doch nochmal gefragt: Reicht das eigentlich noch so, oder ändert sich jetzt was?
Falls du dich das auch fragst: Du bist nicht die Einzige. Was Folsäure überhaupt ist und warum sie schon vor der Schwangerschaft eine Rolle spielt, haben wir an anderer Stelle ausführlich erklärt, im Glossar-Beitrag zu Folsäure und im Artikel über Folsäure bei Kinderwunsch. Hier geht’s um die Frage, die danach kommt: Du bist jetzt schwanger. Was jetzt?
Die ersten zwölf Wochen sind entscheidend, dann ändert sich was
Das Neuralrohr deines Babys, aus dem später Gehirn und Rückenmark entstehen, schließt sich in den ersten Wochen nach der Empfängnis. Oft, bevor der Test überhaupt zwei Striche zeigt. Eine ausreichende Folsäureversorgung in dieser Zeit senkt nachweislich das Risiko für Fehlbildungen wie einen offenen Rücken. Das betont auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (kindergesundheit-info.de).
Nach der 12. Woche ist diese kritische Phase vorbei. Das heißt aber nicht, dass Folsäure ab dann egal wird. Dein Körper braucht das Vitamin weiter, für die Zellteilung, für die Blutbildung, für dein Baby, das jetzt in einem enormen Tempo wächst. Die meisten Kombipräparate für Schwangere sind genau darauf ausgelegt und enthalten die von der BZgA empfohlene Tagesmenge (kindergesundheit-info.de). Welches Präparat für dich passt, klärst du am besten mit deiner Frauenärztin oder deiner Hebamme, gerade wenn du noch keins nimmst oder unsicher bist, ob die Dosis noch stimmt.
Und wenn du erst spät angefangen hast?
Ehrliche Ansage: Nicht jede Schwangerschaft ist geplant, und nicht jede fängt mit vier Wochen Vorlauf und Folsäuretabletten an. Falls du erst nach dem positiven Test gestartet bist, ist das kein Grund für schlechtes Gewissen. Sprich es bei der nächsten Vorsorge einfach an, deine Frauenärztin kann einschätzen, ob und wie ihr das ausgleicht. Ein Blutbild gibt darüber Aufschluss, falls das im Raum steht.
Was jetzt zusätzlich auf den Teller darf
Ein Präparat ersetzt keine Mahlzeiten, aber Ernährung kann die Versorgung sinnvoll ergänzen. Folat (die natürliche Form von Folsäure) steckt vor allem in:
- Spinat, Feldsalat, Mangold
- Linsen, Kichererbsen, weißen Bohnen
- Orangen, Erdbeeren, Himbeeren
- Vollkornbrot und Vollkornnudeln
Bei mir landet gerade oft eine Linsensuppe mit viel Spinat auf dem Tisch. Nicht, weil ich das großartig plane, sondern weil es schnell geht und satt macht. Ein Nebeneffekt, kein Masterplan.
Folat ist hitzeempfindlich und wasserlöslich. Wer Gemüse stundenlang kocht und das Kochwasser wegschüttet, verliert einen Teil davon. Kurz dünsten oder roh essen bringt mehr. Muss aber nicht jedes Mal klappen, ein bisschen Spinat aus der Pfanne ist immer noch besser als gar keiner.
Mehr zur Ernährung in der Schwangerschaft insgesamt findest du in unserem Beitrag zu gesunder Ernährung in der Schwangerschaft.
Nach der Geburt hört es nicht auf
Auch in der Stillzeit bleibt der Folsäurebedarf erhöht, dein Körper regeneriert sich, und über die Muttermilch gibst du weiter etwas an dein Baby ab. Viele Schwangerschaftspräparate sind auch für die Stillzeit freigegeben, prüf das aber am Etikett oder frag in der Apotheke nach. Wie lange du dranbleiben solltest, ist wieder eine Frage für deine Frauenärztin oder Hebamme, das hängt auch davon ab, wie du dich ernährst und ob du (noch) stillst.
Woran du merkst, dass es Zeit für ein Gespräch ist
Ein Folsäuremangel zeigt sich nicht immer deutlich. Manchmal äußert er sich als Müdigkeit, die über das normale Schwangerschaftstief hinausgeht, oder als Blutarmut, die bei der Vorsorge auffällt. Dazu gibt es allerdings wenig eindeutige Forschung zu frühen Warnzeichen, vieles zeigt sich erst im Blutbild. Wenn du ungewöhnlich erschöpft bist oder dir sonst etwas komisch vorkommt, ist die nächste Vorsorge oder ein Anruf bei der Hebamme der richtige Ort dafür, nicht das Abwarten bis zum nächsten Termin. Mehr zu Anämie in der Schwangerschaft und wann sie behandelt wird, erklärt auch das IQWiG verständlich (gesundheitsinformation.de).
Bei mir steht das Präparat jetzt einfach griffbereit neben dem Bett, ich nehme es morgens automatisch mit dem ersten Schluck Wasser. Kein System, keine App, keine Erinnerungsfunktion. Nur eine Gewohnheit, die sich von der ersten Schwangerschaft in die zweite rübergerettet hat. Manchmal reicht das schon.



