Als bei mir der Kinderwunsch konkret wurde, stand ich in der Apotheke vor einem Regal mit gefühlt zwanzig verschiedenen Folsäure-Präparaten. Manche mit Vitamin D, manche mit Jod, manche doppelt so teuer wie die daneben. Ich hab am Ende einfach irgendeins genommen und mich später gefragt, ob das überhaupt richtig war.
Deshalb hier das, was ich inzwischen weiß. Nicht als Werbung für ein bestimmtes Präparat, sondern als das, was mir geholfen hätte, wenn ich es vorher gehabt hätte.
Warum Folsäure schon beim Kinderwunsch zählt, nicht erst danach
Folsäure ist wichtig für die Zellteilung. Genauer: für die Entwicklung des Neuralrohrs, aus dem sich später Gehirn und Rückenmark deines Kindes bilden. Das passiert in den ersten vier Wochen nach der Befruchtung. Zu einem Zeitpunkt also, an dem viele Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.
Genau deshalb macht es wenig Sinn, erst nach dem positiven Test damit anzufangen. Bis der Körper ausreichend Folsäure-Speicher aufgebaut hat, vergehen Wochen. Der Berufsverband der Frauenärzte empfiehlt deshalb, schon bei Kinderwunsch mit der Einnahme zu beginnen, idealerweise vier Wochen vorher.
Was Folsäure in der Schwangerschaft selbst leistet und wie sich der Bedarf dann noch mal verändert, haben wir in einem eigenen Beitrag zu Folsäure in der Schwangerschaft ausführlicher aufgeschrieben. Und was der Unterschied zwischen Folsäure und Folat eigentlich ist, erklären wir im Glossareintrag Folsäure.
Wie viel Folsäure bei Kinderwunsch: die Zahl zum Merken
400 Mikrogramm täglich. Das ist die Menge, die für Frauen mit Kinderwunsch empfohlen wird, zusätzlich zu dem, was du über die Ernährung aufnimmst.
Diese Menge über Essen allein zu decken, ist in der Praxis schwierig. Du müsstest täglich große Mengen grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte oder Vollkornprodukte essen, und selbst dann bleibt eine Lücke. Deshalb rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung Frauen mit Kinderwunsch zu einem zusätzlichen Präparat.
Wichtig für dich: Diese 400 Mikrogramm gelten für gesunde Frauen ohne besondere Risikofaktoren. Wenn in deiner Familie schon mal ein Neuralrohrdefekt vorkam, du Epilepsie hast oder Diabetikerin bist, kann eine deutlich höhere Dosis sinnvoll sein. Das ist ein Fall für ein Gespräch mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, nicht für eigenmächtiges Aufdosieren.
Welche Folsäure wird bei Kinderwunsch empfohlen?
Hier wird es tatsächlich ein bisschen kompliziert, deshalb kurz und ohne Chemie-Vorlesung.
Es gibt zwei Formen im Handel: Folsäure (die synthetische Form) und Folat beziehungsweise 5-Methyltetrahydrofolat, kurz 5-MTHF (die bioaktive Form). Der Körper muss Folsäure erst in mehreren Schritten umwandeln, bevor er sie nutzen kann. Bei manchen Frauen funktioniert dieser Umwandlungsschritt aufgrund einer genetischen Variante schlechter. Für sie kann ein Präparat mit 5-MTHF die bessere Wahl sein.
Für die meisten Frauen ist normale Folsäure aber völlig ausreichend, sie ist gut erforscht und günstiger. Ob ein Gentest auf diese Variante für dich sinnvoll ist, würde ich eher im Gespräch mit der Frauenärztin klären als aus Verunsicherung teure Kombipräparate zu kaufen.
Bei der Auswahl lohnt sich außerdem ein Blick auf die Packungsbeilage: Manche Kombipräparate für Kinderwunsch enthalten schon Jod oder Vitamin D dazu. Das kann praktisch sein, muss aber nicht sein. Wie es sich mit Vitamin D speziell verhält, haben wir im Beitrag zur Vitamin-D-Gabe genauer aufgedröselt.
Ab wann anfangen, wenn der Kinderwunsch da ist?
Am besten sofort, sobald ihr euch entschieden habt, es zu versuchen. Nicht erst, wenn der Test positiv ist.
Realistisch ist das natürlich nicht immer planbar. Manche werden schneller schwanger als gedacht, andere versuchen es monatelang. Falls es bei dir schneller ging und du noch keine Folsäure genommen hast: kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, es beim nächsten Frauenarzttermin anzusprechen.
Falls du schon länger versuchst, schwanger zu werden, kannst du beruhigt weiter Folsäure nehmen, bis es klappt. Eine Überdosierung über den normalen Nahrungsergänzungsbereich ist bei den üblichen 400 Mikrogramm nicht zu erwarten.
Wird man mit Folsäure schneller schwanger?
Nein. Das würde ich gern klarstellen, weil die Frage oft mitschwingt.
Folsäure verbessert nicht deine Chancen, überhaupt schwanger zu werden. Sie sorgt dafür, dass zu Beginn einer Schwangerschaft genug davon im Körper vorhanden ist, falls es klappt. Das ist ein Unterschied. Wer sich Kinder wünscht und auf die Fruchtbarkeit schauen möchte, findet dazu andere Ansatzpunkte, etwa Zykluswissen oder ärztliche Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch. Folsäure gehört in diese Liste nicht als Wundermittel, sondern als Basisvorsorge.
Was ich am Ende gemacht habe
Ich habe mich für ein einfaches Präparat mit 400 Mikrogramm Folsäure entschieden, ohne Zusatzstoffe, und bin bei meinem zweiten Kind dabei geblieben. Kostet im Monat um die drei bis fünf Euro, je nach Marke. Die Kombipräparate mit Jod, Vitamin D und Omega-3 waren mir für den Anfang zu viel des Guten, vor allem, weil ich Jod über Milchprodukte und Seefisch ohnehin schon abdecke.
Was du isst, während du dich auf eine Schwangerschaft vorbereitest, spielt natürlich trotzdem eine Rolle, Folsäure ersetzt keine ausgewogene Ernährung. Mehr dazu steht im Beitrag Gesund essen in der Schwangerschaft.
Am Ende ist die wichtigste Entscheidung nicht, welches Präparat mit welchem Etikett du kaufst. Sondern dass du überhaupt anfängst, und zwar bevor der Test positiv ist, nicht danach.
Foto: Jonathan Borba auf Pexels

