Eine Freundin rief mich vor einigen Jahren aus der Notaufnahme an. Sie war in der siebten Woche schwanger, der Test hatte gerade erst zwei Striche gezeigt, und jetzt saß sie mit stechenden Schmerzen in der rechten Seite auf einer Krankenhausliege. Ein paar Stunden später kam die Diagnose: Eileiterschwangerschaft. Ein Wort, das sie vorher noch nie gehört hatte. So geht es vielen. Deshalb schreibe ich diesen Text auch nicht als Definition, sondern so, wie ich ihn mir damals für sie gewünscht hätte.

Was im Eileiter passiert

Bei einer Eileiterschwangerschaft nistet sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutterschleimhaut ein, sondern bleibt im Eileiter hängen und wächst dort weiter. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet Tubargravidität. Der Eileiter ist ein dünner Muskelschlauch. Er kann sich nicht dehnen wie die Gebärmutter, und genau das macht die Sache so heikel. Ausgetragen werden kann eine Schwangerschaft an dieser Stelle nicht.

Eileiterschwangerschaften gehören zu den sogenannten extrauterinen Schwangerschaften, also Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter. Sie sind davon mit großem Abstand die häufigste Form. Seltener nistet sich die Eizelle im Eierstock, in der Bauchhöhle oder am Gebärmutterhals ein. Weil sich der Embryo im Eileiter nicht normal entwickeln kann, ist die Situation für die Schwangere potenziell lebensbedrohlich, auch wenn sich das in den ersten Wochen meist noch durch nichts ankündigt. Der Berufsverband der Frauenärzte fasst die zentralen Fakten dazu zusammen (frauenaerzte-im-netz.de).

Häufigkeit und Risikofaktoren

Etwa ein bis zwei von hundert Schwangerschaften nisten sich außerhalb der Gebärmutter ein. Das klingt nach wenig, und ist es im Grunde auch. Trotzdem gehört der Begriff für Frauenärztinnen von Anfang an dazu, weil er in den ersten Wochen einer Schwangerschaft immer mitgedacht wird.

Manche Umstände erhöhen das Risiko:

  • eine frühere Eileiterschwangerschaft
  • Entzündungen der Eileiter, etwa durch Chlamydien oder andere Infektionen
  • Endometriose
  • Verklebungen oder Narben nach Bauchoperationen
  • eine Kinderwunschbehandlung wie IVF
  • Rauchen, weil es die Funktion der Eileiter beeinträchtigt

Trotzdem trifft es auch Frauen ohne einen einzigen dieser Punkte. Ein Restrisiko bleibt, das sich nicht wegerklären lässt.

Erste Anzeichen erkennen

Am Anfang fühlt sich alles nach ganz normaler Schwangerschaft an. Die Periode bleibt aus, die Brust spannt, der Schwangerschaftstest zeigt zwei Striche. Viele merken zunächst gar nichts Ungewöhnliches, und das ist auch der Grund, warum eine Eileiterschwangerschaft so selten früh erkannt wird.

Auffällig wird es meist zwischen der 5. und 9. Schwangerschaftswoche, wobei dieser Zeitraum von Frau zu Frau unterschiedlich ausfallen kann. Typisch sind:

  • einseitige Unterbauchschmerzen, oft plötzlich und stechend
  • Schmierblutungen oder leichte, meist bräunliche vaginale Blutungen
  • ein Gefühl von Schwäche, Kreislaufbeschwerden oder Schwindel
  • Schulterschmerzen, die durch innere Blutungen entstehen, die auf das Zwerchfell drücken

Diese Anzeichen bedeuten nicht automatisch, dass eine Eileiterschwangerschaft vorliegt. Sie gehören aber ärztlich abgeklärt, und zwar zeitnah. Kommen plötzlich sehr starke Schmerzen, ausgeprägte Schwäche oder Kreislaufprobleme dazu, ist das ein Notfall. Dann gehört der Weg sofort in die nächste Notaufnahme oder zur Frauenärztin, weil der Eileiter reißen kann.

Wie die Diagnose gestellt wird

Im vaginalen Ultraschall schaut die Ärztin zuerst nach, ob in der Gebärmutter eine Fruchtblase zu sehen ist. Fehlt sie, obwohl der hCG-Wert im Blut deutlich erhöht ist, ist das ein wichtiger Hinweis. Der hCG-Wert wird meist nach ein bis zwei Tagen erneut gemessen, denn sein Verlauf sagt oft mehr als eine einzelne Messung. Bei einer Fehlgeburt fällt hCG in der Regel ab. Bei einer Eileiterschwangerschaft steigt er dagegen nur langsam weiter oder bleibt nahezu stehen.

Ganz eindeutig ist das leider nicht immer. Manchmal braucht es mehrere Kontrollen über eine ganze Woche, bis Klarheit besteht, und diese Zeit des Wartens ist für viele Frauen kaum leichter auszuhalten als die Diagnose selbst. Ergänzend kann die Ärztin nach Druckschmerz im Unterbauch tasten. In seltenen Fällen ist am Ende eine Bauchspiegelung nötig, um wirklich sicher zu sein.

Behandlung: Medikament oder Operation

So unterschiedlich die Situationen sind, eines gilt immer: Eine Eileiterschwangerschaft muss beendet werden, weil sie sich an dieser Stelle nicht gesund entwickeln kann. Bleibt sie unentdeckt, kann der Eileiter reißen, medizinisch Eileiterruptur genannt, mit starken inneren Blutungen als Folge. Genau deshalb ist die zeitnahe ärztliche Abklärung so wichtig.

In einem frühen Stadium, wenn noch keine akuten Symptome bestehen und die Schwangerschaft sehr klein ist, kommt manchmal ein Medikament namens Methotrexat zum Einsatz. Es stoppt das Zellwachstum und wird meist gespritzt. Danach folgen engmaschige Kontrollen des hCG-Werts, bis klar ist, dass sich das Gewebe vollständig zurückgebildet hat.

Ist die Schwangerschaft schon weiter fortgeschritten oder bestehen bereits Schmerzen und Blutungen, braucht es eine Operation. Meistens geschieht das laparoskopisch, also per Bauchspiegelung. Dabei wird das Schwangerschaftsgewebe entfernt. Je nachdem, wie stark der Eileiter betroffen ist, kann er erhalten bleiben oder muss entfernt werden. Welcher Weg der richtige ist, entscheidet die behandelnde Ärztin gemeinsam mit der Patientin, abhängig vom Zustand des Eileiters, der Höhe des hCG-Werts und davon, wie es der Frau in diesem Moment geht.

Kinderwunsch nach einer Eileiterschwangerschaft

Eine der ersten Fragen, die viele Frauen später stellen, ist die nach einer weiteren Schwangerschaft. In den meisten Fällen bleibt eine natürliche Schwangerschaft möglich, solange mindestens ein Eileiter funktionsfähig ist. Selbst mit nur einem Eileiter kann eine Empfängnis gelingen. Wurde der betroffene Eileiter entfernt, ist die Fruchtbarkeit leicht eingeschränkt, aber nicht ausgeschlossen.

Wichtig ist eine gute Nachsorge, und bei bereits bestehenden Fruchtbarkeitsproblemen kann eine Beratung in einer Kinderwunschpraxis sinnvoll sein. Wer schon einmal eine Eileiterschwangerschaft hatte, trägt ein etwas höheres Risiko, dass es erneut passiert. Deshalb lohnt es sich, bei der nächsten Schwangerschaft früh zur Kontrolle zu gehen, damit ein Ultraschall rechtzeitig zeigen kann, wo sich die Fruchtblase eingenistet hat.

Die stille Trauer, über die selten gesprochen wird

Eine Eileiterschwangerschaft ist nicht nur ein körperliches Ereignis. Sie hinterlässt oft auch seelische Spuren, für viele Frauen ist sie ein stiller Verlust. Auch wenn die Schwangerschaft früh endet und das Baby kaum greifbar erscheint, ist der Schmerz echt. Traurigkeit, Leere, Schuldgefühle oder Wut, all das darf da sein.

Belastend kommt oft dazu, dass im Umfeld das Verständnis fehlt, weil über Eileiterschwangerschaften kaum offen gesprochen wird. Umso wichtiger ist es, sich Unterstützung zu holen. Ein Gespräch mit der Frauenärztin, mit der Hebamme oder mit einer psychologischen Fachkraft kann helfen, das Erlebte einzuordnen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, in Selbsthilfegruppen oder Onlineforen, kann trösten. Sich Zeit für die Trauer zu nehmen, ist dabei kein Umweg, sondern Teil des Weges.

Wenn du selbst betroffen bist und Unterstützung suchst, berät pro familia sowohl online als auch in Beratungsstellen vor Ort, vertraulich und kostenfrei. Wie du mit den Gefühlen rund um einen unerfüllten Kinderwunsch umgehen kannst, liest du auch in unserem Beitrag Ich werde nicht schwanger: Wie du mit den Emotionen umgehen kannst.

Wie es weitergehen kann

Die Zeit direkt nach einer Eileiterschwangerschaft ist meist von Kontrollterminen geprägt: hCG-Werte, die weiter sinken müssen, ein Wundcheck nach der OP, irgendwann das Gespräch über einen erneuten Zyklus. Danach wird es für die meisten Frauen ruhiger. Der Körper erholt sich, die Blutungen nach dem Eingriff klingen ab, und mit der Zeit rückt die nächste Frage in den Vordergrund: wann und wie es weitergehen kann.

Viele berichten, dass die erste Zeit nach dem nächsten positiven Test von einer besonderen Wachsamkeit begleitet ist, mit einem frühen Ultraschalltermin, um zu sehen, dass sich alles am richtigen Ort eingenistet hat. Das ist eine nachvollziehbare Reaktion, keine übertriebene Sorge. Sprich das offen mit deiner Frauenärztin an, wenn dir das hilft. Die meisten Praxen kennen diese Situation gut und nehmen sie ernst.

Dein Körper hat mit der ersten Schwangerschaft bewiesen, dass er Leben empfangen kann, auch wenn es diesmal nicht gutgegangen ist. Das bleibt wahr, ganz unabhängig davon, wie lange es bis zur nächsten Schwangerschaft dauert.