Ich erinnere mich noch genau an das kleine Notizbuch, das ich mir angelegt hatte, als wir uns unser erstes Kind gewünscht haben. Jeden Morgen Temperatur, dazu ein Kürzel für den Schleim. “Trocken”, “cremig”, “wie Eiweiß”. Meine Schwester hat mich damals ausgelacht, weil ich beim Kaffeetrinken ernsthaft über Konsistenz von Ausfluss gesprochen habe. Aber genau dieser Schleim war es, der mir am Ende am meisten über meinen Körper erzählt hat. Mehr als jede App.
Wenn du gerade versuchst, schwanger zu werden, oder einfach verstehen willst, wann bei dir der Eisprung ungefähr stattfindet, lohnt sich der Blick auf den Zervixschleim. Er verändert sich im Lauf des Zyklus ziemlich zuverlässig, auch wenn “zuverlässig” hier nicht “hundertprozentig genau” bedeutet. Dazu gleich mehr.
Was Zervixschleim mit deiner Fruchtbarkeit zu tun hat
Zervixschleim wird im Gebärmutterhals gebildet und verändert seine Beschaffenheit unter dem Einfluss deiner Hormone. Was genau er ist und wie er entsteht, haben wir im Glossarbeitrag zu Zervixschleim ausführlich erklärt. Hier soll es vor allem darum gehen, was er dir über deine fruchtbaren Tage sagt.
Kurz zusammengefasst: In den unfruchtbaren Tagen ist der Schleim eher spärlich, zäh oder gar nicht vorhanden. Rund um den Eisprung wird er durchsichtiger, dehnbarer und wässriger. Das hat einen Grund, der wenig romantisch, aber sehr praktisch ist. Der Schleim in dieser Phase soll Spermien den Weg durch den Muttermund erleichtern, statt sie fernzuhalten. Was genau am Muttermund passiert, kannst du im Beitrag zum Muttermund nachlesen.
Wie sich der Schleim vor dem Eisprung verändert
Die Veränderung passiert nicht von einem Tag auf den anderen. Bei den meisten Frauen beginnt der Schleim etwa fünf bis sechs Tage vor dem Eisprung heller und flüssiger zu werden. Erst cremig, wie Handcreme. Dann, meist ein bis zwei Tage vor dem Eisprung, erreicht er die sogenannte “Spinnbarkeit”. Er lässt sich zwischen zwei Fingern zu einem dünnen Faden ziehen, ohne zu reißen. Viele beschreiben ihn als ähnlich zu rohem Eiweiß.
Im Internet kursieren dazu viele Bilder, die diese Phasen zeigen sollen. Ich würde sie mit Vorsicht genießen. Der Schleim sieht bei jeder Frau ein bisschen anders aus, und auch von Zyklus zu Zyklus kann er variieren. Manche Frauen bemerken die spinnbare Phase kaum, andere sehr deutlich. Wer sich unsicher ist, ob das Beobachtete gerade normal ist, kann sich an die Hebamme oder die Frauenärztin wenden, statt sich an Fotos aus dem Netz zu orientieren.
Nach dem Eisprung, meist innerhalb von ein bis zwei Tagen, wird der Schleim durch das ansteigende Progesteron wieder fester, trüber und weniger. Diese Phase bleibt bis zur nächsten Periode meist gleich.
Ist Zervixschleim ein sicheres Zeichen für den Eisprung?
Nein, ganz sicher ist er nicht. Er ist ein Hinweis, kein Beweis. Die spinnbare Phase zeigt an, dass gerade viel Östrogen im Spiel ist und der Eisprung wahrscheinlich bevorsteht oder gerade stattfindet. Aber der genaue Zeitpunkt lässt sich daran allein nicht festmachen. Manche Frauen haben mehrere Tage spinnbaren Schleim, andere nur wenige Stunden, und wieder andere merken kaum eine Veränderung. Wer den Eisprung genauer eingrenzen möchte, kombiniert die Schleimbeobachtung häufig mit der Basaltemperatur oder mit Ovulationstests. Der Berufsverband der Frauenärzte erklärt auf frauenaerzte-im-netz.de verständlich, wie der weibliche Zyklus und seine Hormone zusammenhängen.
Wie lange bist du fruchtbar, vor und nach dem Eisprung?
Das fruchtbare Fenster ist größer, als viele denken, aber auch kleiner, als manche hoffen. Spermien können im Zervixschleim rund um den Eisprung bis zu fünf Tage überleben, wenn die Bedingungen günstig sind. Die Eizelle selbst ist nach dem Eisprung nur etwa zwölf bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Das heißt: Geschlechtsverkehr in den Tagen vor dem Eisprung, wenn der Schleim gerade spinnbar wird, hat oft bessere Chancen als der Tag danach.
Nach dem Eisprung sinkt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, deutlich. Ist die Eizelle nicht befruchtet worden, ist der Zyklus in dieser Phase praktisch abgeschlossen, auch wenn die Periode erst in ein bis zwei Wochen einsetzt.
Verändert sich der Schleim, wenn eine Befruchtung stattgefunden hat?
Diese Frage bekomme ich oft gestellt, und ich verstehe sie gut. Man will ja irgendein Zeichen. Ehrlich gesagt: verlässlich lässt sich das am Schleim allein kaum ablesen. Nach dem Eisprung wird er durch Progesteron fester und weniger, unabhängig davon, ob eine Befruchtung stattgefunden hat oder nicht. Manche Frauen berichten von einem sogenannten Einnistungsschleim kurz vor der erwarteten Periode, aber dazu gibt es wenig belastbare Forschung, und die Beobachtungen sind sehr individuell. Ein verlässliches Zeichen für eine Schwangerschaft ist ein Schwangerschaftstest, nicht die Beschaffenheit des Schleims.
Wenn du gerade mittendrin steckst
Ich weiß noch, wie anstrengend diese Phase des genauen Beobachtens sein kann. Aus Neugier wird schnell Druck, besonders wenn es länger dauert als gedacht. Wenn du gerade an diesem Punkt bist, findest du in unserem Beitrag Ich werde nicht schwanger! Wie du mit den Emotionen umgehen kannst ein paar Gedanken, die mir damals gutgetan hätten. Und falls du dich fragst, was in den nächsten Wochen und Monaten noch alles auf dich zukommt, lohnt sich ein Blick in unseren Überblick zu Schwangerschaftsfragen.
Mein Notizbuch von damals liegt übrigens noch in einer Schublade. Manchmal blättere ich rein und lächle über die vielen Kürzel. Es hat gedauert, bis ich verstanden habe, was mein Körper mir eigentlich die ganze Zeit schon gezeigt hat.
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