Ich stand in der 29. Woche vor dem Wäschekorb, bückte mich, und blieb einfach hängen. Nicht vor Schmerz, eher aus Vorsicht. Mein Rücken hatte sich schon beim Hochheben gemeldet, dieses dumpfe Ziehen im Kreuz, das ich vorher nur von langen Autofahrten kannte. Meine Hebamme meinte später nur trocken: „Willkommen im Club.“ Fast jede Schwangere, die ich kenne, hat irgendwann diesen Moment.
Warum der Rücken jetzt so empfindlich reagiert
Dein Körper baut gerade etwas um, das er sonst nie tun muss. Der Berufsverband der Frauenärzte beschreibt das so: Die hormonellen Veränderungen führen zu einer Auflockerung der Iliosakral- und Schambeinfuge sowie der Bandscheiben. Durch die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft verändert sich die Statik der Wirbelsäule, der Bauch der Schwangeren zieht das Gewicht nach vorne, das Becken kippt nach vorne und ein Hohlkreuz entsteht. (frauenaerzte-im-netz.de) Das erklärt, warum sich viele Frauen erst ab der zweiten Schwangerschaftshälfte betroffen fühlen, wenn der Bauch spürbar zieht.
Der Grund dafür liegt tiefer als nur im wachsenden Bauch. In der Schwangerschaft kann es unter dem Einfluss des erhöhten Östrogenspiegels zu einer Lockerung von Bändern, Knorpeln und Gelenken kommen. Diese Vorgänge erleichtern später die Geburt, weil das Becken flexibler wird und die Wirbelsäule weniger stabil ist. Genau diese Instabilität muss dein Körper zwischendurch mit Muskelkraft ausgleichen, und das ist anstrengend, auch wenn du es nicht ständig spürst.
Manche merken das kaum. Andere liegen abends wach, weil jede Seite nach zehn Minuten wehtut. Beides ist normal, dazu gibt es keine klare Regel, wer wie stark betroffen ist.
Wann es mehr als „nur“ der Rücken ist
Nicht jeder Schmerz im Kreuz gehört automatisch zur Schwangerschaft dazu. Die Ursache für derartige Schmerzen sollte jedoch unbedingt zuvor frauenärztlich abgeklärt werden. Kreuzschmerzen, die im ersten Drittel der Schwangerschaft eintreten, können auch auf Probleme hinweisen, wie eine schnell wachsende Gebärmutter, eine gegen den Gebärmutterhals nach hinten abgeknickte Gebärmutter oder eine Störung der Frühschwangerschaft. Auch später gilt: Hinter Schmerzen im späteren Verlauf der Schwangerschaft können Gebärmutterkontraktionen oder Nierenerkrankungen stecken. Auch kann unter Umständen der kindliche Kopf beziehungsweise die Gebärmutter auf sensible Endigungen des kleinen Beckens drücken.
Kurz gesagt: Wenn der Schmerz plötzlich anders ist als sonst, wellenartig kommt, mit Ziehen im Bauch zusammenhängt oder von Fieber begleitet wird, gehört das in die Praxis oder zur Hebamme, nicht ins Abwarten. Mehr dazu, wie du im Alltag mit körperlichen Grenzen während der Schwangerschaft umgehst, findest du auch in unserem Beitrag zu Schmerzen rund um die Geburt.
Was im Alltag wirklich hilft
Ich habe lange gedacht, Schonung sei die Lösung. War sie nicht. Vorteilhaft sind Schwimmen, Yoga und spezielle Schwangerschaftsgymnastik, die am besten in Kursen durchgeführt und erlernt werden sollte, sagt der Berufsverband der Frauenärzte dazu. Im Wasser fühlt sich der Bauch plötzlich leichter an, das war für mich der Moment, in dem ich verstanden habe, warum Schwimmen so oft empfohlen wird.
Auch kleine Alltagsgewohnheiten machen einen Unterschied. Um den Rücken zu schonen, sollten Schwangere darauf achten, nichts Schweres zu heben oder zu tragen. Wenn Schwangere etwas vom Boden aufheben, sollten sie die Kraft dafür aus den Beinen aufwenden und nicht aus dem Rücken. Das Tragen von flachen und bequemen Schuhen kann eine ungünstige Hohlkreuzhaltung verhindern. Auch beim Stehen sollte darauf geachtet werden, dass die Position nicht ins Hohlkreuz fällt, sondern das Becken immer wieder bewusst aufgerichtet wird. Klingt banal. Hat bei mir trotzdem gedauert, bis es zur Gewohnheit wurde.
Schlafen, wenn der Bauch im Weg ist
Die Seitenlage entlastet den Rücken und lässt die Blutzirkulation ungestört. Ein Stillkissen zwischen den Knien oder ein Kirschkernkissen im Kreuz kann zusätzlich helfen. Meine Nächte wurden erst ruhiger, als ich zwei Kissen gleichzeitig genutzt habe, eins vorn, eins hinten. Nicht elegant, aber es hat funktioniert.
Wärme, Bewegung, und wann Schmerzmittel überhaupt infrage kommen
Ein warmes Bad oder eine sanfte Massage lösen Verspannungen oft schneller als gedacht. Bei stärkeren Beschwerden empfiehlt der Berufsverband der Frauenärzte, zunächst auf solche Allgemeinmaßnahmen zu setzen. Dazu gehören viel Ruhe, Schlaf und frische Luft, leichter Sport, Schwimmen, Spaziergänge und unterstützende Liegekissen bei Rückenschmerzen.
Schmerzmittel sind in der Schwangerschaft ein heikles Thema, auch wenn manche davon rezeptfrei erhältlich sind. Wir empfehlen deshalb allen Schwangeren, so weit wie irgend möglich auf diese Arzneimittel zu verzichten und Schmerzen mit Allgemeinmaßnahmen zu bekämpfen, so der Berufsverband der Frauenärzte (frauenaerzte-im-netz.de). Und falls die Schmerzen doch so stark werden, dass ein Mittel notwendig erscheint, ist es besser, wenn die schwangere Frau das zuerst mit ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt bespricht. Nicht jedes Präparat, das du sonst nimmst, ist jetzt geeignet, und das lässt sich am besten direkt in der Praxis klären, nicht über Foren oder Packungsbeilagen.
Danach ist nicht automatisch vorbei
Was viele nicht erwarten: Der Rücken meldet sich manchmal auch Monate nach der Geburt noch. Der Bauch ist weg, die Muskulatur aber noch lange nicht da, wo sie vorher war. Ein Rückbildungskurs hilft, Beckenboden und Rumpf wieder aufzubauen, bei mir hat das gut ein halbes Jahr gedauert, bis ich das Gefühl hatte, wieder „ich“ zu sein.
Manchmal hilft es einfach zu wissen: Du bildest dir das nicht ein. Der Rücken verändert sich, weil dein Körper gerade Großes leistet. Das macht die Nächte mit Kirschkernkissen nicht kürzer, aber vielleicht ein bisschen leichter zu ertragen.



