Sechs bis acht Wochen nach der Geburt kannst du deine Hebamme oder Frauenärztin fragen, ob dein Körper bereit für einen Rückbildungskurs ist. Das ist der erste Schritt. Danach: Kurs in der Nähe suchen (Hebammenpraxis, Familienzentrum oder online), anmelden, Rechnung aufheben für die Krankenkasse. Fertig ist die Planung eigentlich schon.

Warum Rückbildung für deinen Körper überhaupt so wichtig ist und was dabei mit Bauchmuskeln und Beckenboden passiert, haben wir in diesem Beitrag ausführlich beschrieben. Hier geht es um das Praktische: Wann, wo, wie teuer, mit oder ohne Baby.

Der richtige Zeitpunkt

Bei einer spontanen Geburt gilt als grobe Orientierung: sechs bis acht Wochen. In dieser Zeit, dem sogenannten Wochenbett, bilden sich die Veränderungen der Schwangerschaft zurück. Erst danach kann die Frau mit einem Rückbildungskurs beginnen (gesundheitsinformation.de).

Nach einem Kaiserschnitt sieht das anders aus. Die Wunde in der Bauchdecke braucht länger, bis sie belastbar ist. Auch hier können Frauen nach Rücksprache mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt mit dem Kurs beginnen (gesundheitsinformation.de). Das heißt konkret: Beim Nachsorgetermin ansprechen, nicht selbst schätzen. Bei mir war es nach der Spontangeburt meiner Tochter genau die achte Woche, meine Hebamme hat grünes Licht gegeben, nachdem sie kurz nach dem Beckenboden getastet hat.

Falls du nach der Geburt noch Blutungen hast, die stärker werden statt schwächer, oder Schmerzen im Bauch- oder Dammbereich, die zunehmen: Das gehört vor den Kursstart in ein Gespräch mit der Hebamme oder Frauenärztin, nicht in die erste Übungsstunde.

Wo du einen Kurs findest

Drei Wege, die in der Praxis funktionieren:

Hebammenpraxis. Die meisten freiberuflichen Hebammen bieten selbst Kurse an oder kennen jemanden, der es tut. Einfach bei der Nachsorgehebamme nachfragen.

Familienzentrum oder Volkshochschule. Oft günstiger, manchmal mit Warteliste. In Bad Aibling war die VHS-Liste im Sommer nach der Geburt meiner Tochter komplett voll, ich bin über die Hebammenpraxis nebenan fündig geworden.

Online. Praktisch, wenn kein Kurs in der Nähe passt oder die Termine sich nicht mit Stillzeiten vereinbaren lassen. Der Nachteil: Niemand korrigiert deine Haltung live. Wenn du unsicher bist, ob du eine Übung richtig machst, lohnt sich mindestens eine Präsenzeinheit zum Reinschnuppern.

Frag beim ersten Kontakt direkt, ob die Kursleitung eine Hebammen- oder Physiotherapie-Ausbildung hat. Nicht jeder Fitnesskurs mit “Rückbildung” im Namen ist von einer Krankenkasse anerkannt, und nur anerkannte Kurse werden erstattet.

So läuft eine Kursstunde ab

Keine Sorge, es wird nicht geschwitzt wie im Bootcamp. Eine typische Einheit dauert 60 Minuten und läuft in etwa so:

  • Ankommen, kurzer Austausch, wie es der Gruppe geht
  • sanfte Beckenbodenübungen im Liegen oder Sitzen
  • Kräftigung von Bauch- und Rückenmuskulatur, oft mit Theraband oder Kissen
  • Atemübungen und Entspannung zum Abschluss

Zehn Termine sind üblich, manche Praxen bieten auch acht oder zwölf an. Bequeme Kleidung reicht, eine Matte hast du meistens selbst dabei.

Mit oder ohne Baby

Beide Varianten gibt es, und beide haben ihre Berechtigung.

Ohne Baby ist es eine kleine Auszeit. Jemand passt aufs Kind auf, du konzentrierst dich 60 Minuten nur auf deinen Körper. Das kann guttun, gerade wenn der Tag sonst durchgetaktet ist von Stillen, Wickeln, Schlafenlegen.

Mit Baby läuft es entspannter organisatorisch, du musst niemanden für die Betreuung finden. Die Kleinen liegen meist auf einer Decke daneben oder werden in Übungen eingebaut, etwa beim Wiegen oder bei leichten Halteübungen. Realistisch ist aber auch: Wenn das Baby genau in der Stunde quengelt, ist es vorbei mit der Konzentration. Das gehört dazu, keine Kursleiterin erwartet Ruhe im Raum.

Was der Kurs kostet

Für gesetzlich Versicherte sind anerkannte Rückbildungskurse in der Regel kostenlos (gesundheitsinformation.de). In der Praxis heißt das meistens: Du zahlst zunächst selbst, bekommst nach Kursende eine Teilnahmebestätigung und reichst diese bei deiner Krankenkasse ein. Wie viele Termine genau übernommen werden und bis wann der Kurs abgeschlossen sein muss, handhabt jede Kasse etwas anders. Am einfachsten ist ein kurzer Anruf bei deiner Krankenkasse, bevor du dich anmeldest, dann weißt du genau, woran du bist.

Privat Versicherte sollten vorab in ihren Vertragsbedingungen nachsehen, ob und in welcher Höhe Rückbildungskurse erstattet werden.

Was, wenn nach dem Kurs noch Beschwerden bleiben

Manchmal reicht ein Kurs nicht aus, um alles wieder ins Lot zu bringen. Wenn nach Kursende noch Symptome wie ungewollter Urinverlust beim Husten oder Niesen, ein Druckgefühl im Unterleib oder anhaltende Rückenschmerzen bestehen, ist das kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch gemacht hast. Es ist ein Grund, das mit deiner Frauenärztin oder Hebamme zu besprechen, denn dafür gibt es weiterführende Physiotherapie, die gezielter ansetzt als ein Gruppenkurs.

Das anzusprechen fällt manchen schwer, weil es sich nach “Versagen” anfühlt. Ist es nicht. Der Beckenboden ist ein Muskel wie jeder andere, und manche brauchen einfach länger als sechs Wochen Training.

Wenn du jetzt am Anfang stehst: Ruf diese Woche bei deiner Hebamme oder in der Praxis um die Ecke an und frag nach dem nächsten freien Platz. Die Listen füllen sich schneller, als man denkt, gerade in kleineren Orten.