Letzten Dienstag saß ich um 21 Uhr auf dem Küchenboden und habe Söckchen sortiert, die eigentlich schon sortiert waren. Basti stand daneben und fragte, ob wir noch reden wollten. Ich habe genickt und weiter Söckchen sortiert. Das war unser Gespräch für diesen Tag.
So sieht Paarzeit bei uns gerade oft aus. Nicht romantisch. Nicht mal richtig ein Gespräch. Aber besser als nichts.
Über die großen Fragen, warum Beziehungen nach der Geburt überhaupt ins Wanken geraten, haben wir bei bauch & baby schon geschrieben, zum Beispiel in „Wenn aus zwei drei werden“. Hier geht es mir um etwas anderes: was konkret geholfen hat, als unser Sohn klein war, und was wir jetzt, in der zweiten Schwangerschaft, anders angehen.
Der Kalender lügt nicht
Bei uns hat lange gar nichts funktioniert, bis wir Paarzeit tatsächlich in den Kalender geschrieben haben. Nicht “irgendwann mal wieder ausgehen”, sondern: Donnerstag, 20 Uhr, 20 Minuten, kein Handy.
Klingt unromantisch. War es auch am Anfang. Aber nach ein paar Wochen war es der Termin, auf den ich mich am meisten gefreut habe. Manchmal haben wir nur zusammen Serie geschaut und Chips gegessen. Das zählt auch.
Wer keine Oma in der Nähe hat, die abends aufpasst, kennt das Problem: Babysitter kosten. Bei uns in Bad Aibling waren das für zwei Stunden schnell 20 Euro. Wir haben uns irgendwann mit einer anderen Familie aus der Krabbelgruppe abgewechselt. Einen Abend die Woche haben sie unseren Sohn, einen Abend wir ihre Tochter. Kostet nichts außer Vertrauen.
Der Körper braucht seine Zeit, die Beziehung auch
Nach der Geburt war ich monatelang nicht die, die ich vorher war, körperlich und auch sonst. Die Rückbildung, das Wochenbett, die Hormone. Wie lange sich der Körper nach einer Geburt erholt, ist von Frau zu Frau verschieden. Der Berufsverband der Frauenärzte gibt dazu gute Orientierung (frauenaerzte-im-netz.de), aber am Ende weiß nur du, wann du wieder bereit bist für Nähe. Bei mir hat es länger gedauert als ich dachte, und das war okay.
Basti hat das anfangs falsch verstanden, als würde ich ihn nicht mehr wollen. Wir haben lange gebraucht, um das auszusprechen: Es geht nicht um Ablehnung. Es geht um einen Körper, der gerade etwas Großes hinter sich hat.
Nähe fing bei uns wieder an, ohne dass es um Sex ging. Er hat mir abends die Füße massiert, während das Baby schlief. Ich habe ihm morgens Kaffee gemacht, obwohl ich lieber noch fünf Minuten länger geschlafen hätte. Kleine Dinge, aber sie haben gezeigt: wir sind noch da, füreinander.
Der Streit über die Spülmaschine war nie wirklich über die Spülmaschine
Es gab Wochen, in denen wir uns wegen jeder Kleinigkeit angefahren haben. Wer hat zuletzt die Spülmaschine ausgeräumt, wer war öfter nachts wach, wer hat überhaupt noch Zeit für sich.
Meistens ging es nicht um die Spülmaschine. Es ging um Erschöpfung, die keinen Ausweg fand.
Was uns geholfen hat: ein Zettel am Kühlschrank. Keine Beziehungsübung, einfach eine Liste mit den nervigen Aufgaben, die wir abwechselnd abgehakt haben. Windeln kaufen, Kinderarzttermin ausmachen, Wäsche zusammenlegen. Klingt banal. Hat aber die Diskussionen darüber, wer gerade “mehr macht”, fast komplett beendet, weil es plötzlich sichtbar war.
Wie ihr als Paar schon in der Schwangerschaft solche Aufgaben klarer verteilen könnt, dazu gibt es bei uns einen eigenen Beitrag: „3 wichtige Dinge als Paar während der Schwangerschaft“. Vieles davon hätten wir gern früher gewusst.
Wenn Reden allein nicht reicht
Es gab auch eine Phase, in der wir nicht mehr weiterwussten. Zu müde, zu gereizt, zu weit voneinander entfernt. Wir haben dann mit unserer Hebamme darüber gesprochen, weil sie sowieso da war wegen des Stillens. Sie hat uns an eine Familienberatungsstelle vermittelt.
Das war kein Drama, sondern eher erleichternd. Jemand von außen, der nicht mitten im Chaos steckt, sieht manchmal klarer als man selbst.
Falls sich das bei euch gerade größer anfühlt als ein paar müde Wochen, wenn ihr euch fremd fühlt oder die Streitigkeiten nicht aufhören: das ist mehr als “normaler Babyalltag”, und dafür gibt es Hilfe. Wir haben dazu ausführlicher geschrieben, welche Anzeichen für eine echte Paarkrise sprechen, in „Partnerschaft mit Baby: Herausforderungen meistern“.
Was jetzt, beim zweiten Kind, anders ist
Diesmal wissen wir wenigstens, was auf uns zukommt. Wir haben schon vor der Geburt besprochen, wer welche Nächte übernimmt, wenn das Baby da ist. Klingt nach viel Planung für etwas, das sich sowieso ändern wird, sobald das Kind erst mal schreit. Aber es gibt uns beiden das Gefühl, nicht wieder komplett überrannt zu werden.
Basti hat letzte Woche gesagt: “Wir schaffen das schon irgendwie, so wie letztes Mal.” Kein großes Liebesgeständnis. Aber genau der Satz, den ich gerade brauchte.



