Beim Vorsorgetermin in der 30. Woche fragt mich meine Hebamme, wie ich mir das mit dem Stillen vorstelle. Ich sitze da und merke: Ich habe keine Ahnung. Ich weiß, dass ich es versuchen will. Mehr aber auch nicht. Keine Idee, wie Milchbildung funktioniert, keine Ahnung, wen ich anrufe, wenn es nicht klappt.

Genau das lässt sich vor der Geburt klären, ohne dass du dafür Fachwissen brauchst. Es gibt vier Dinge, die du jetzt tun kannst: mit deiner Hebamme konkret darüber sprechen, dir Basiswissen holen, deinen Geburtsort danach fragen und deinen Partner oder deine Partnerin einbeziehen. In dieser Reihenfolge macht es am meisten Sinn, weil eins aufs andere aufbaut.

Sprich mit deiner Hebamme, bevor es akut wird

Deine Hebamme ist genau dafür da. Nicht erst, wenn das Baby da ist und die Brust wehtut, sondern schon jetzt. Frag sie, wie sie zum Thema Stillen berät, ob sie Hausbesuche nach der Geburt macht (das übernimmt übrigens deine Krankenkasse) und wo sie dich hinschickt, falls es bei euch beiden schwierig wird.

Ein Satz, der mir geholfen hat: Du musst dich nicht schon jetzt festlegen. Es reicht, wenn du weißt, an wen du dich wendest, falls du dich anders entscheidest als gedacht.

Hol dir das Grundwissen, das du wirklich brauchst

Du musst nicht alles wissen. Aber ein paar Dinge helfen enorm, gerade wenn es in den ersten Tagen holprig läuft. Und das tut es öfter, als man denkt: Viele Frauen berichten von Stillproblemen in den ersten zwei Wochen. Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas grundsätzlich schiefläuft, sondern normal in der Anfangsphase.

Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du in unserem ausführlichen Stillguide alles zu Anlegen, Positionen und Stillrhythmus, und im Glossareintrag Stillen die wichtigsten Begriffe kurz erklärt. Für die Schwangerschaft reicht es, sich damit einmal beschäftigt zu haben, nicht auswendig zu lernen.

Zur Empfehlung, wie lange ausschließliches Stillen sinnvoll ist, informiert die BZgA ausführlich (kindergesundheit-info.de). Das ist eine Orientierung, keine Vorgabe. Am Ende entscheidest du, was für dich und dein Baby passt.

Solltest du in der Schwangerschaft schon Fragen zu Brustwarzen, Voroperationen oder Medikamenten haben, die das Stillen betreffen könnten, ist deine Frauenärztin oder Hebamme die richtige Ansprechperson dafür. Das lässt sich vorher klären, statt es nach der Geburt zu improvisieren.

Frag deinen Geburtsort, bevor du dich anmeldest

Nicht jede Klinik geht beim Stillstart gleich vor. Bei der Kreißsaalführung oder am Telefon kannst du konkret nachfragen:

  • Gibt es Hautkontakt direkt nach der Geburt, auch nach Kaiserschnitt?
  • Bleibt das Baby Tag und Nacht bei dir im Zimmer?
  • Wird nach Bedarf gestillt oder gibt es feste Zeiten?
  • Wird nur zugefüttert, wenn es medizinisch notwendig ist?

In Deutschland gibt es rund 100 Kliniken mit dem Zertifikat „Babyfreundlich“, die genau nach diesen Kriterien arbeiten. Aber auch ohne Zertifikat kann eine Klinik gut aufgestellt sein. Die Antworten auf diese vier Fragen sagen dir meistens mehr als ein Siegel.

Bezieh deinen Partner oder deine Partnerin ein

Stillen passiert bei dir, aber tragen musst du es nicht allein. In den ersten Wochen nach der Geburt mit meiner Älteren war es mein Mann, der mir nachts Wasser brachte, während ich stillte, und der aushielt, wenn ich frustriert war, weil es einfach nicht rund lief. Das war keine kleine Sache.

Sprecht vorher darüber, was ihr euch beide vorstellt. Wer übernimmt was, wenn du nachts alle zwei Stunden aufstehst. Wer ruft die Hebamme an, wenn ihr unsicher seid. Das klingt nach Kleinkram, ist es aber nicht. Ein Team, das sich abgesprochen hat, kommt durch die ersten Wochen leichter als eins, das improvisiert.

Wenn es nach der Geburt doch nicht rund läuft

Anhaltende Schmerzen beim Stillen, wunde oder rissige Brustwarzen über mehrere Tage, oder die Sorge, dein Baby nimmt nicht genug zu, sind Gründe, zeitnah deine Hebamme oder eine Stillberaterin zu kontaktieren. Das ist kein Versagen, das ist der Grund, warum es diese Unterstützung überhaupt gibt.

Manche Themen rund ums Stillen und Beikost lassen sich außerdem in Ruhe nachlesen, etwa auf gesundheitsinformation.de, wenn du unabhängig recherchierte Informationen suchst, ohne Werbung von Herstellerseiten.

Was am Ende bleibt: Du entscheidest, wie lange und ob du stillst. Aber du musst diese Entscheidung nicht allein und unvorbereitet treffen. Ein Gespräch mit der Hebamme, eine Frage an die Klinik, ein Abend mit deinem Partner über eure Erwartungen. Das sind drei Termine, die in keinen Kalender eng passen müssen, und die trotzdem den größten Unterschied machen können.