Neulich stand ich mit meiner Jüngsten im Schuhladen. Sie war gerade erst die ersten freien Schritte gegangen, draußen wurde es kühler, und ich hatte keine Ahnung, welche Größe sie eigentlich braucht. Ihr großer Bruder hatte mit demselben Alter zwei Nummern mehr gebraucht. Das ist völlig normal, und genau darum geht es hier.
Warum Babyfüße anders behandelt werden sollten als kleine Erwachsenenfüße
Ein Babyfuß besteht zu großen Teilen aus Knorpel. Die Knochen sind noch nicht verknöchert, das passiert erst über mehrere Jahre. Das macht den Fuß formbar, aber eben auch empfindlich gegenüber Druck. Ein zu enger Schuh kann die Zehen stauchen, ein zu weiter Schuh gibt keinen Halt und das Kind stolpert öfter.
Ob zu früh getragene oder schlecht sitzende Schuhe tatsächlich langfristige Fußfehlstellungen verursachen, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Kindergesundheit-info.de, das Portal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, weist darauf hin, dass sich die Fußform ohnehin erst im Laufe der Kindheit ausbildet. Trotzdem spricht wenig dagegen, in dieser Phase besonders genau hinzuschauen.
Wie schnell wachsen Babyfüße wirklich
Hier hilft dir keine starre Tabelle weiter, auch wenn sie verlockend übersichtlich wirkt. Kinderfüße wachsen in Schüben, nicht gleichmäßig. Manche Babys haben mit sechs Monaten schon einen Fuß von elf Zentimetern Länge, andere brauchen dafür bis zum ersten Geburtstag.
Als grobe Orientierung: In den ersten zwölf Lebensmonaten wächst ein Fuß im Schnitt um vier bis fünf Zentimeter. Danach verlangsamt sich das Tempo etwas, aber nicht bei jedem Kind gleich. Manche brauchen alle sechs Wochen eine neue Größe, andere passen ein halbes Jahr in dieselben Schuhe. Beides ist im Rahmen dessen, was Kinder eben so tun: unterschiedlich schnell wachsen.
So misst du zuhause, ohne zu raten
Am zuverlässigsten misst du barfuß, am besten abends, wenn die Füße durch den Tag leicht angeschwollen sind. Stell dein Baby auf ein Blatt Papier oder lass es draufsitzen, wenn Stehen noch nicht klappt. Zeichne den Umriss beider Füße nach, nicht nur eines. Bei den meisten Kindern ist ein Fuß etwas größer als der andere, und die Schuhgröße richtet sich immer nach dem größeren.
Miss anschließend die Länge von der Ferse bis zur Spitze des längsten Zehs. Addiere dazu etwa zwölf bis fünfzehn Millimeter. Das klingt nach viel, ist aber der Spielraum, den der Fuß beim Abrollen und beim Wachsen braucht. Ein Schuh, der exakt der Fußlänge entspricht, ist meistens schon nach wenigen Wochen zu klein.
Worauf es beim Kauf ankommt
Verlass dich nicht auf die Größenangabe auf dem Schuhkarton allein. Zwischen Herstellern schwankt dieselbe Nummer teils um mehrere Millimeter Innenmaß. Nimm dein Baby zum Anprobieren mit, wenn es geht, und lass genug Zeit zum Herumlaufen im Laden.
Weiche, flexible Sohlen sind wichtiger als eine feste Stütze, wie sie Erwachsenenschuhe brauchen. Der Fuß soll sich beim Gehen noch biegen können. Kontrolliere die Passform danach etwa alle sechs bis acht Wochen, häufiger in Wachstumsschüben.
Muss es überhaupt schon ein Schuh sein
Nicht sofort. Solange dein Kind drinnen oder auf weichem Untergrund unterwegs ist, braucht es keine Schuhe. Barfußlaufen oder rutschfeste Stoppersocken geben dem Fuß mehr Rückmeldung über den Boden, das unterstützt die Muskelentwicklung. Kindergesundheit-info.de beschreibt das Barfußgehen als eine gute Möglichkeit, die Fußmuskulatur natürlich zu trainieren, solange der Untergrund sauber und ungefährlich ist.
Schuhe werden erst dann wichtig, wenn dein Baby draußen läuft. Auf kaltem Asphalt, auf Kies oder im Winter braucht der Fuß Schutz, den Stoppersocken nicht bieten.
Was als Nächstes kommt
Sobald aus den ersten unsicheren Schritten ein richtiges Laufen wird, ändert sich vieles am Fuß. Manche Kinder laufen erst mit sechzehn Monaten los, andere schon mit zehn. Beides sagt wenig über die spätere Entwicklung aus. In einem der nächsten Beiträge schauen wir uns genauer an, wie sich der Gang in den ersten Laufjahren verändert und woran du erkennst, ob ein Kinderorthopäde einen Blick draufwerfen sollte. Bis dahin reicht es, regelmäßig nachzumessen und der Versuchung zu widerstehen, den Fuß deines Kindes mit dem der Nachbarstochter zu vergleichen.

