Der Elterngeldantrag lag bei mir drei Wochen auf dem Küchentisch, unter einem Stapel Post. Nicht weil ich faul war, sondern weil ich beim ersten Durchblättern gedacht habe: Das mache ich, wenn ich einen klaren Kopf habe. Den hatte ich mit einem Neugeborenen dann erst mal nicht.
Zweite Schwangerschaft, zweiter Antrag. Diesmal habe ich vorher angefangen. Und gemerkt: Es ist nicht schwer, es ist nur unübersichtlich. Vor allem, weil je nach Bundesland eine andere Behörde zuständig ist und man online oft Erklärungen findet, die für Nordrhein-Westfalen gelten, aber nicht für Bayern.
Was Elterngeld überhaupt ist, welche Varianten es gibt und wie sich Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus unterscheiden, steht bei uns im Glossarbeitrag zum Elterngeld. Hier geht es um das Praktische: wer den Antrag bekommt, was reinmuss, bis wann.
Wie beantragt man Elterngeld in Bayern?
In Bayern ist das Zentrum Bayern Familie und Soziales zuständig, kurz ZBFS. Also nicht die Gemeinde, nicht das Landratsamt, nicht die Familienkasse. Die ZBFS hat mehrere Regionalstellen, zuständig ist die für deinen Wohnort. Wer in Oberbayern wohnt, landet bei der Region Oberbayern in München, wer in Franken wohnt, entsprechend dort.
Es gibt zwei Wege.
Online über ElterngeldDigital oder das Bayernportal. Du füllst den Antrag am Rechner aus, lädst die Nachweise hoch und schickst ihn digital ab. Bei manchen Konstellationen muss trotzdem noch etwas per Post nach, zum Beispiel wenn eine Originalbescheinigung verlangt wird. Der Vorteil: Das Formular führt dich durch und meckert, wenn ein Feld fehlt. Bei mir war das der Grund, warum ich beim zweiten Mal online gegangen bin.
Papierantrag. Formular ausdrucken, ausfüllen, mit Kopien der Nachweise an die Regionalstelle schicken. Funktioniert genauso, dauert nur länger, weil Rückfragen per Post hin und her gehen.
Ein Punkt, der oft untergeht: Wenn beide Eltern Elterngeld nehmen wollen, wird ein gemeinsamer Antrag gestellt. Ihr müsst euch also vorher einig sein, wer welche Monate nimmt. Das ist der Teil, der bei uns die längste Diskussion gebraucht hat, nicht das Formular. Und es hängt an der Elternzeit, die du parallel beim Arbeitgeber anmelden musst. Wie das zusammenspielt, haben wir im Ratgeber zur Elternzeit ausführlicher.
Wie beantrage ich Elterngeld in Bayern? Schritt für Schritt
So bin ich vorgegangen, in der Reihenfolge, die für mich funktioniert hat:
1. Monate festlegen. Wer nimmt Basiselterngeld, wer ElterngeldPlus, gibt es einen Partnerschaftsbonus? Ohne diese Entscheidung kommst du im Formular nicht weit. Du darfst später ändern, aber jede Änderung bedeutet neue Bearbeitungszeit.
2. Bemessungszeitraum klären. Bei Angestellten sind das in der Regel die zwölf Kalendermonate vor dem Monat der Geburt, bei Selbstständigen wird meist das letzte abgeschlossene Steuerjahr herangezogen. Mutterschutzmonate werden auf Antrag ausgeklammert. Wenn du in dem Zeitraum den Job gewechselt hast, in Kurzarbeit warst oder krank, wird es individuell. Genau da lohnt eine Beratung, dazu unten mehr.
3. Unterlagen sammeln. Am besten schon vor der Geburt alles in einen Ordner, digital oder aus Pappe. Was genau, steht im nächsten Abschnitt.
4. Antrag ausfüllen. Plane zwei Stunden ein, nicht zwanzig Minuten. Beim ersten Mal habe ich mehrmals abgebrochen und neu angesetzt.
5. Geburtsbescheinigung nachreichen. Die brauchst du in der Ausfertigung für Elterngeld. Sag beim Standesamt oder in der Klinik direkt, dass du sie zusätzlich willst. Nachträglich kostet sie Geld.
6. Absenden und Eingang notieren. Die Bearbeitung dauert nach meiner Erfahrung und den Berichten aus meinem Umfeld mehrere Wochen, teils zwei Monate. Rechne damit, dass das erste Geld nicht im Geburtsmonat auf dem Konto ist. Das ist der Grund, warum ein kleines Polster für die erste Zeit hilft.
Und weil das gern verwechselt wird: Kindergeld ist ein eigener Antrag, bei der Familienkasse, unabhängig vom Elterngeld. Beides musst du separat stellen. Alles dazu im Beitrag Kindergeld beantragen und im Glossareintrag Kindergeld.
Wann muss ich Elterngeld in Bayern beantragen?
Nach der Geburt. Vorher geht es nicht, weil die Geburtsbescheinigung dazugehört.
Wichtig ist die Rückwirkung: Elterngeld wird höchstens drei Monate rückwirkend gezahlt, gerechnet ab dem Monat, in dem der Antrag eingeht. Stellst du den Antrag im vierten Lebensmonat, sind die ersten Monate weg. Deshalb ist die Empfehlung überall dieselbe: möglichst in den ersten Wochen nach der Geburt abschicken.
Was viele beruhigt: Der Antrag muss nicht vollständig sein, um den Eingang zu sichern. Du kannst ihn stellen und einzelne Nachweise nachreichen. Die ZBFS meldet sich dann und sagt, was fehlt. Ich habe beim ersten Kind die Bescheinigung der Krankenkasse zum Mutterschaftsgeld nachgeschickt, das war kein Problem.
Praktisch heißt das: Formular vor dem Geburtstermin ausfüllen, Nachweise sammeln, nach der Geburt nur noch Datum, Name und Bescheinigung ergänzen. Klingt streberhaft. War aber der einzige Papierkram, der mich in den ersten Wochen nicht gestresst hat.
Was brauche ich alles, um das Elterngeld zu beantragen?
Die genaue Liste hängt an deiner Situation. Das kommt fast immer vor:
- Geburtsbescheinigung des Kindes, Ausfertigung für Elterngeld
- Personalausweis oder Pass, in Kopie
- Nachweise über das Einkommen im Bemessungszeitraum: Lohn- oder Gehaltsabrechnungen der zwölf Monate vor dem Geburtsmonat
- Bescheinigung der Krankenkasse über Mutterschaftsgeld
- Bescheinigung des Arbeitgebers über den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld
- Erklärung des Arbeitgebers zur Elternzeit oder zur geplanten Teilzeit
- Bankverbindung
- bei Selbstständigkeit: Steuerbescheid des letzten abgeschlossenen Veranlagungszeitraums, Gewinnermittlung
- bei Beamten: Bescheinigung der Dienststelle
- bei Nichtdeutschen: Aufenthaltstitel
Wenn ihr getrennt lebt, wenn Zwillinge kommen, wenn ein Geschwisterkind unter drei ist (Geschwisterbonus) oder das Kind zu früh geboren wurde, kommen weitere Nachweise dazu. Bei Frühgeburten gelten seit einigen Jahren zusätzliche Elterngeldmonate, gestaffelt danach, wie viele Wochen vor dem Termin das Kind kam. Das steht im Antrag nicht groß draufgeschrieben, also frag aktiv nach.
Wo finde ich eine Beratungsstelle für Elterngeld?
Der Punkt, den ich beim ersten Kind komplett übersehen habe: Man darf fragen. Kostenlos.
Die ZBFS selbst. Die Regionalstellen haben Telefonzeiten und beantworten Fragen zum eigenen Antrag. Das ist die erste Adresse, wenn es um deinen konkreten Fall geht, also um Bemessungszeitraum, fehlende Unterlagen oder Bearbeitungsstand. Meine Erfahrung: Man hängt eine Weile in der Leitung, aber die Auskunft ist präzise.
Schwangerenberatungsstellen. Diakonie, Caritas, pro familia, donum vitae und die staatlich anerkannten Beratungsstellen bei den Gesundheitsämtern beraten kostenlos und unabhängig zu allen Familienleistungen, auch zum Elterngeld. Sie helfen beim Ausfüllen, rechnen Varianten durch und kennen die Stolpersteine. Bei uns in der Nähe sitzt eine Beraterin, die für Elterngeld einen festen Termin pro Woche anbietet. Anmeldung nötig, Wartezeit bei mir zwei Wochen.
Der Elterngeldrechner des Bundesfamilienministeriums. Kein Ersatz für Beratung, aber gut, um Varianten zu vergleichen, bevor du mit einer Beraterin sprichst. Dann weißt du wenigstens, welche Fragen du hast.
Wenn dein Fall kompliziert ist, weil du selbstständig bist, Einkünfte aus mehreren Quellen hast oder im Bemessungszeitraum lange krank warst, kann eine Steuerberatung sinnvoller sein als eine allgemeine Beratungsstelle. Kostet dann aber. Zur Frage, wie sich die Beratungsqualität in den einzelnen Bundesländern unterscheidet, gibt es keine belastbaren Zahlen, das ist Erfahrungswissen aus Foren und Gesprächen.
Und falls Beschwerden dazukommen, die dich vom Papierkram abhalten, körperlich oder seelisch: Das ist kein Ordnungsproblem, sondern eins für deine Hebamme oder deine Frauenärztin. Wochenbettdepression, anhaltende Erschöpfung oder starke Blutungen gehören abgeklärt, und der Berufsverband der Frauenärzte beschreibt, wann man sich melden sollte. Der Antrag kann warten, wenn du ihn innerhalb der drei Monate abschickst. Du nicht.
Und wenn ich nicht in Bayern wohne?
Dann ist eine andere Stelle zuständig, der Antrag selbst ist aber bundesrechtlich geregelt und daher überall im Kern gleich.
Baden-Württemberg: Hier laufen die Elterngeldanträge über die L-Bank in Karlsruhe und Stuttgart, nicht über die Kommune. Auch dort gibt es einen Online-Weg und die Möglichkeit, Unterlagen nachzureichen. Wer in BW Elterngeld beantragen will, sucht also nach der L-Bank, nicht nach dem Jugendamt.
Andere Länder: In Nordrhein-Westfalen sind es die Kreise und kreisfreien Städte, in Berlin die Elterngeldstellen der Bezirksämter, in Niedersachsen die Landkreise. Deshalb widersprechen sich Anleitungen im Netz so oft. Prüfe immer, für welches Bundesland eine Erklärung geschrieben wurde.
Die Fristen, die Höhe und die Bezugsvarianten unterscheiden sich nicht. Nur der Briefkasten.
Was ich beim zweiten Mal anders mache
Ich lege den Ordner in der 30. Woche an. Reinkommen: die letzten Gehaltsabrechnungen, die Bescheinigung vom Arbeitgeber, meine Ausweiskopie. Dann fehlt nach der Geburt nur die Geburtsbescheinigung.
Ich frage in der Klinik nach mehreren Ausfertigungen. Eine für Elterngeld, eine für Kindergeld, eine für die Krankenkasse.
Und ich rufe vorher bei der Beratungsstelle an, nicht danach. Weil mein Bemessungszeitraum diesmal Elternzeit vom ersten Kind enthält, und ich beim ersten Antrag gelernt habe, dass genau diese Zwischenkonstellationen die sind, bei denen ich mich verrechne.
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