Zwei Striche auf dem Schwangerschaftstest, und plötzlich schmeckt jedes Käsebrot verdächtig. Bei meiner ersten Schwangerschaft habe ich nachts um drei gegoogelt, ob der Camembert vom Mittagessen jetzt ein Problem ist. War er nicht, aber ich wusste es in dem Moment einfach nicht. Diesmal, beim zweiten Kind, kenne ich die Liste im Schlaf. Trotzdem frage ich mich beim Aufschnitt im Kühlregal manchmal immer noch: darf ich das eigentlich noch?

Meine Schwiegermutter hat in ihren beiden Schwangerschaften rohen Schinken gegessen, ohne dass irgendwas passiert ist. Das beruhigt mich zwar ein bisschen, ändert aber nichts daran, dass die Risiken heute besser erforscht sind als vor dreißig Jahren. Was damals als unbedenklich galt, würde ich mir heute zweimal überlegen.

Die Antwort ist meistens einfacher, als die vielen Foren-Diskussionen vermuten lassen. Ein paar Lebensmittel solltest du wirklich meiden. Bei den meisten anderen reicht gesunder Menschenverstand.

Warum dein Körper gerade empfindlicher reagiert

Dein Immunsystem fährt in der Schwangerschaft runter. Nicht kaputt, nur gedrosselt, damit dein Körper das Baby nicht als fremd abstößt. Der Nebeneffekt: Keime, die dir sonst nichts anhaben könnten, werden jetzt zum Risiko. Listerien, Toxoplasmen und Salmonellen stehen dabei ganz oben auf der Liste, weil sie über Lebensmittel übertragen werden und dem ungeborenen Kind schaden können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärt genau, welche Erreger in welchen Lebensmitteln stecken können und warum Schwangere hier vorsichtiger sein sollten als sonst (bfr.bund.de).

Klingt erstmal beängstigend. Ist es aber im Alltag weniger, als die Liste vermuten lässt.

Die Lebensmittel, die jetzt wirklich tabu sind

Rohmilch und Rohmilchkäse. Brie, Camembert, Gorgonzola, manche Sorten Feta: Wenn sie aus Rohmilch hergestellt sind, können Listerien drinstecken. Steht “aus pasteurisierter Milch” auf der Verpackung, ist der Käse unbedenklich. Ich habe mir angewöhnt, im Käseregal einfach die Verpackung umzudrehen. Dauert fünf Sekunden.

Rohes Fleisch und rohe Wurst. Mett, Tatar, Carpaccio, Salami, Parmaschinken, das medium gebratene Steak vom Grillabend: alles tabu. Grund sind Toxoplasmose und Listeriose. Durchgegartes Fleisch dagegen ist völlig in Ordnung, auch mitten im Sommer auf der Grillparty.

Roher Fisch und Sushi. Räucherlachs, Matjes, Sushi mit rohem Fisch: hier drohen Listerien, teilweise auch Parasiten wie Anisakis-Würmer. Das klingt eklig, ist aber selten und meist harmlos, solange du den Fisch meidest. Gegarter Fisch dagegen, Lachs oder Kabeljau zum Beispiel, darf und sollte sogar öfter auf den Teller, wegen der Omega-3-Fettsäuren.

Rohe Eier. Tiramisu, hausgemachte Mayonnaise, das Spiegelei mit flüssigem Dotter: Salmonellengefahr. Hart gekochte Eier und industriell hergestellte Produkte sind unbedenklich.

Leber. Hier geht es nicht um Keime, sondern um Vitamin A. Leber enthält davon so viel, dass eine zu hohe Zufuhr die Entwicklung des Kindes stören kann. Eine kleine Portion Leberwurst dann und wann gilt meist als unproblematisch, aber wenn du unsicher bist, wie viel für dich in Ordnung ist, sprich es einfach kurz mit deiner Hebamme oder Frauenärztin ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat dazu Orientierung für die Nährstoffzufuhr in der Schwangerschaft (dge.de).

Quecksilberreiche Fische. Schwertfisch, Hai, roher Thunfisch: Das enthaltene Quecksilber kann die neurologische Entwicklung des Kindes stören. Lachs, Hering oder Kabeljau sind die unbedenklichere Wahl.

Alkohol. Hier gibt es keine Grauzone. Auch kleine Mengen können dem Kind schaden, bis hin zum fetalen Alkoholsyndrom mit lebenslangen Folgen. Die BZgA rät deshalb zu komplettem Verzicht während der gesamten Schwangerschaft, ganz gleich in welcher Woche (kindergesundheit-info.de). Auch “alkoholfreies” Bier kann Restalkohol enthalten, im Zweifel lohnt ein Blick aufs Etikett.

Koffein. Anders als bei Alkohol geht es hier nicht um Nulltoleranz, sondern um Menge. Der Berufsverband der Frauenärzte empfiehlt, sich an die für Schwangere übliche Tagesmenge zu halten und dabei auch Cola, Energydrinks und Schwarztee mitzuzählen, die schnell unterschätzt werden (frauenaerzte-im-netz.de). Zwei Tassen Filterkaffee am Tag sind für die meisten kein Problem, drei Cola dazu machen aus dem Kaffee aber schnell zu viel.

Was du ganz entspannt essen darfst

Es ist nicht alles verboten, was Spaß macht. Diese Sachen dürfen bedenkenlos auf den Teller:

Milchprodukte aus pasteurisierter Milch, egal ob Joghurt, Frischkäse oder Hartkäse. Gut durchgegarter Fisch, auch mehrmals die Woche. Frisches Obst und Gemüse, gründlich gewaschen, weil auch daran Keime haften können. Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte. Pflanzliche Öle wie Raps- oder Leinöl.

Gerade Folsäure, Eisen und Kalzium spielen jetzt eine größere Rolle als sonst, weil dein Körper mehr davon braucht als vor der Schwangerschaft. Die DGE gibt dazu konkrete Empfehlungen, wie sich eine ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft zusammensetzen kann (dge.de). Wie das ganz praktisch im Alltag aussehen kann, ohne dass du jede Mahlzeit durchrechnest, haben wir in einem eigenen Beitrag zur gesunden Ernährung in der Schwangerschaft genauer aufgeschrieben.

Ein Wort noch zu Obst und Gemüse vom Wochenmarkt: gründlich waschen lohnt sich, weil auch über Erde und ungewaschene Blätter Toxoplasmose-Erreger übertragen werden können. Das ist unspektakulär, aber wirksam. Kein Einweichen in Essigwasser nötig, kaltes Wasser und ein sauberes Küchenbrett reichen.

Was Kosten und Aufwand angeht: pasteurisierte statt Rohmilchprodukte zu kaufen macht preislich kaum einen Unterschied, bei Fleisch und Fisch aber schon. Gut durchgegartes Bio-Rindfleisch statt Mett auf dem Wochenmarkt kostet spürbar mehr, das darf man ruhig ehrlich sagen, statt so zu tun, als wäre “einfach umsteigen” für jeden Geldbeutel gleich easy.

Fast Food, Süßes und der ganz normale Alltag

Pommes, Schokolade, die Tüte Chips vor dem Fernseher: Nichts davon ist verboten. Aber es sollte nicht der Großteil deines Speiseplans sein, weil dein Körper gerade mehr Nährstoffe braucht, nicht nur mehr Kalorien. Zu viel davon, dauerhaft, kann außerdem das Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes erhöhen.

Ehrlich gesagt: In der 20. Woche hatte ich Wochen, in denen mittags nur Nudeln mit Butter ging, mehr nicht. Das war okay. Ein Baby braucht keine perfekte Mutter mit perfektem Speiseplan, sondern eine, die insgesamt einigermaßen ausgewogen isst.

Und wenn du doch mal was “Verbotenes” gegessen hast?

Passiert. Das Stück Salami im Nudelsalat beim Grillfest, der Restschluck Wein im Tiramisu, von dem du erst hinterher gelesen hast, dass er drin war. Einmalig ist das in den allermeisten Fällen kein Grund zur Panik.

Worauf du trotzdem achten solltest: Fieber, Durchfall, Übelkeit oder Gliederschmerzen in den Tagen danach. Wenn eines davon auftritt, ruf am besten deine Frauenärztin oder deine Hebamme an und schildere kurz, was du gegessen hast, dafür sind sie da, und im Zweifel ist ein Anruf zu viel besser als einer zu wenig (frauenaerzte-im-netz.de). Bei den meisten Anrufen wirst du hören: alles gut, beobachte es einfach weiter.

Ein Sonderfall, der mir immer wieder in Nachrichten begegnet: der Prosecco auf der Hochzeit der besten Freundin, drei Wochen bevor der Test positiv war. Zu Alkohol in den ersten Tagen einer noch unbekannten Schwangerschaft gibt es keine Zahlen, die dir eine sichere Antwort geben, jede Schwangerschaft und jede Menge ist anders. Was hilft: ab dem Moment, in dem du es weißt, konsequent verzichten, und die Sorge ums Vergangene bei der nächsten Vorsorge einmal offen ansprechen, statt sie mit dir herumzutragen.

Wie es für dich weitergeht

Die strengen Regeln gelten nicht für die ganzen neun Monate gleich streng. Im ersten Trimester, wenn die Organe des Kindes angelegt werden, ist besondere Vorsicht sinnvoll. Später verschieben sich manche Sorgen: Ab der 24. Woche denken viele werdende Mütter eher an Sodbrennen und Gewicht als an Listerien.

Was bleibt: Alkohol und rohe tierische Produkte sind bis zur Geburt tabu, der Rest ist eine Frage der Menge und der Häufigkeit. Und ja, das erste Sushi nach der Stillzeit schmeckt tatsächlich nochmal ein bisschen besser als sonst.