Mastitis ist der medizinische Ausdruck für eine Entzündung der Brust. Der Name kommt aus dem Griechischen, „mastos“ heißt Brust, die Endung „-itis“ steht für Entzündung. Auf Deutsch sagt man auch einfach Brustentzündung dazu. Am häufigsten trifft es Frauen in der Stillzeit, deshalb ist das Thema für viele frischgebackene Mütter plötzlich sehr präsent, obwohl sie den Begriff vorher vielleicht nie gehört haben.
Ich erinnere mich gut an die erste Mastitis nach der Geburt meiner Tochter. Ich dachte, ich hätte mich einfach nur erkältet, so schnell kam das Fieber. Erst als meine Hebamme nach meiner Brust fragte, wurde mir klar, wo das Problem lag.
Wie unterscheidet sich Mastitis von einem Milchstau?
Viele verwechseln die beiden am Anfang, und das ist verständlich, denn eine Mastitis entsteht fast immer aus einem Milchstau, der nicht rechtzeitig gelöst wurde. Bei einem Milchstau staut sich Milch in einem Milchgang, die Brust wird hart und schmerzt an einer Stelle. Kommen Bakterien über kleine Risse in der Brustwarze dazu, oft durch ein Baby, das nicht richtig angelegt ist, kann daraus eine echte Entzündung werden.
Der Unterschied zeigt sich vor allem im Ausmaß der Beschwerden. Ein Milchstau tut weh und ist unangenehm, macht aber selten richtig krank. Bei einer Mastitis kommt oft Fieber dazu, manchmal über 38,5 Grad, dazu ein Krankheitsgefühl, das an eine Grippe erinnert. Wie genau das Stillen und die Laktation zusammenhängen und wie Milchbildung überhaupt funktioniert, erklären wir in einem eigenen Beitrag dazu.
Wie fühlt sich eine Mastitis an?
Die Brust ist an einer Stelle gerötet, warm und druckempfindlich, manchmal ist sie richtig heiß im Vergleich zur anderen Seite. Viele Frauen beschreiben ein Ziehen oder Klopfen, das beim Stillen schlimmer wird statt besser. Dazu kommen typischerweise:
Fieber, das oft plötzlich auftritt. Schüttelfrost. Ein Gefühl wie bei einer beginnenden Grippe, mit Gliederschmerzen und Erschöpfung.
Manche Frauen bemerken zuerst die Erschöpfung und erst später, dass die Brust der Grund dafür ist. Das ist einer der Punkte, bei denen es wenig Forschung dazu gibt, warum manche Frauen die Entzündung früh spüren und andere erst, wenn sie schon deutlich fortgeschritten ist.
Ist eine Mastitis gefährlich?
Für die meisten Frauen ist eine Mastitis unangenehm, aber gut behandelbar. Gefährlich wird es vor allem dann, wenn die Entzündung unbehandelt bleibt und sich ein Abszess bildet, also eine abgekapselte Eiteransammlung im Gewebe. Das kommt vor, ist aber nicht die Regel. Wichtig ist deshalb, bei anhaltendem Fieber, zunehmenden Schmerzen oder wenn sich innerhalb von ein bis zwei Tagen nichts bessert, die Frauenärztin, den Frauenarzt oder die Hebamme einzubeziehen. Der Berufsverband der Frauenärzte gibt dazu einen guten Überblick, wann ärztlicher Rat sinnvoll ist (frauenaerzte-im-netz.de).
Du musst das Stillen bei einer Mastitis übrigens in aller Regel nicht unterbrechen. Im Gegenteil: Regelmäßiges Entleeren der Brust gehört zu den wichtigsten Maßnahmen, weil es hilft, die betroffene Stelle zu leeren.
Geht eine Mastitis von alleine weg?
Manchmal ja, wenn sie früh erkannt wird und die Brust konsequent entleert wird, sei es durchs Stillen, Abpumpen oder beides. Viele leichte Fälle bessern sich innerhalb von ein bis zwei Tagen deutlich, sobald der Stau gelöst ist. Bei anderen reicht das nicht aus, dann braucht es ein Antibiotikum, das mit ärztlicher Rücksprache verschrieben wird, weil sich die Bakterien sonst weiter ausbreiten können.
Es gibt keine verlässliche Regel, die vorhersagt, welcher Verlauf bei dir eintritt. Deshalb ist die Empfehlung meist: 24 Stunden konsequent behandeln (Wärme vor dem Stillen, Kühlung danach, viel Ruhe, häufiges Anlegen), und wenn sich nichts bessert oder es schlimmer wird, ärztlichen Rat einholen statt abzuwarten.
Was hilft schnell bei Mastitis?
Aus Erfahrung vieler Mütter und aus dem, was Hebammen häufig empfehlen, helfen diese Dinge oft gut nebeneinander:
Häufiges Stillen oder Abpumpen, gerade auf der betroffenen Seite, auch wenn es zunächst wehtut. Wärme kurz vor dem Anlegen, etwa eine warme Kompresse, damit die Milch besser fließt. Kühlung nach dem Stillen, das lindert die Schwellung. Ruhe, so viel wie im Alltag mit Baby eben möglich ist.
Manche Frauen schwören zusätzlich auf sanfte Massage in Fließrichtung während des Stillens, andere finden das eher schmerzhaft. Auch das ist ein Bereich, in dem verschiedene Wege nebeneinander funktionieren können, es gibt hier keine einzig richtige Methode für alle. Wenn du unsicher bist, wie du deine Brust beim Stillen richtig entleerst, findest du in unseren Stilltipps praktische Anregungen zum Anlegen und zur Stillposition.
Bei starken Schmerzen oder hohem Fieber sind Schmerzmittel eine Option, die aber in der Stillzeit mit der Ärztin oder dem Apotheker abgesprochen werden sollte. Allgemeine Informationen zu Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit findest du bei der BZgA (kindergesundheit-info.de).
Mastitis ist kein rein menschliches Phänomen
Der Begriff Mastitis taucht übrigens auch in der Tiermedizin auf, vor allem bei Hunden, aber auch bei Kühen in der Milchwirtschaft. Mastitis beim Hund entsteht meist nach der Geburt von Welpen, wenn Milch in einer Zitze staut und sich entzündet, ganz ähnlich wie bei uns Menschen. Behandelt wird das je nach Schweregrad mit Kühlung, häufigem Säugen durch die Welpen oder, bei stärkerer Entzündung, mit einem Antibiotikum vom Tierarzt. Wenn du selbst einen Hund mit geschwollenem Gesäuge beobachtest, ist der Gang zur Tierärztin der richtige nächste Schritt, denn eine Selbstbehandlung kann hier schnell zu spät kommen.
Was am Ende bleibt
Eine Mastitis ist unangenehm, manchmal richtig heftig, aber in den meisten Fällen kein Grund für große Sorge. Sie zeigt vor allem eines: dass die Brust in dieser Phase viel leistet und manchmal etwas Unterstützung braucht, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Wenn du mehr über die Zusammenhänge rund ums Stillen wissen willst, wie die Milchbildung funktioniert oder was einen Milchstau begünstigt, findest du in unseren anderen Beiträgen dazu vertiefende Antworten.
Foto: Mateusz Dach auf Pexels



