Halb drei nachts, mein Sohn brüllt, ich lege ihn im Liegen an, so wie es beim letzten Mal geklappt hat. Diesmal nicht. Er verzieht das Gesicht, spuckt die Brust wieder aus, schreit weiter. Ich setze mich auf, nehme ihn hoch, probiere es aufrecht. Ruhe. Zwei Minuten vorher hätte ich schwören können, dass Liegen unsere Position ist.

Genau das ist mit Stillpositionen bei Neugeborenen oft so. Es gibt nicht die eine richtige Haltung, die für immer passt. Es gibt die, die gerade funktioniert. Und die kann sich von Tag zu Tag ändern.

Warum die Haltung beim Stillen überhaupt einen Unterschied macht

Ein Neugeborenes kann seinen Kopf noch nicht selbst halten. Passt der Winkel nicht, kommt es schwerer an die Brust, schluckt vielleicht mehr Luft oder lässt schneller wieder los. Wie das Anlegen grundsätzlich funktioniert, mit Anlegetiefe und Anzeichen für ein gutes Andocken, steht ausführlich im Beitrag Stillen. Hier geht es um die Frage, in welcher Körperhaltung ihr beide dabei am besten zurechtkommt.

Stillen im Liegen: praktisch nachts, aber nicht für jedes Baby

Die Seitenlage ist bei vielen die erste Wahl für die Nacht. Du liegst auf der Seite, das Baby liegt dir zugewandt, Bauch an Bauch. Der Vorteil liegt auf der Hand: du musst nicht aufstehen, kannst nebenbei fast weiterschlafen.

Nicht jedes Baby findet in dieser Position gut Halt. Manche brauchen in den ersten Wochen noch mehr Führung, weil der Kopf sonst zu weit nach hinten kippt oder die Nase blockiert wird. Wenn das Stillen im Liegen beim Neugeborenen nicht klappt, ist das kein Zeichen, dass etwas falsch läuft. Es kann einfach bedeuten: noch nicht, versuch es in ein paar Wochen wieder.

Aufrecht stillen: wann sich der Wechsel lohnt

Die aufrechte Stillposition wird oft dann interessant, wenn ein Baby zu Spucken neigt oder sich nach dem Trinken unwohl zeigt. Im Sitzen, mit dem Rücken des Babys leicht angelehnt an deinen Arm, bleibt die Schwerkraft auf eurer Seite. Die Milch fließt nach unten statt zurück in die Speiseröhre.

Ob dahinter tatsächlich ein Reflux steckt oder Blähungen die Ursache sind, lässt sich von außen schwer sicher unterscheiden. Wiederkehrendes Spucken, Unruhe nach dem Stillen oder Schmerzen beim Trinken sind Punkte, die du am besten mit deiner Hebamme oder der Kinderärztin besprichst, auch um andere Ursachen auszuschließen (kinderaerzte-im-netz.de). Die aufrechte Position beim Neugeborenen ist dabei kein Ersatz für diese Abklärung, aber oft eine Erleichterung im Alltag, während ihr eine Lösung sucht.

Welche Stillposition welchen Teil der Brust besser entleert

Eine Beobachtung aus der Stillberatung: die Richtung, in die das Kinn des Babys beim Trinken zeigt, soll die Brustregion sein, die am effektivsten entleert wird. Liegt das Baby im Wiegegriff, zieht das Kinn eher zur unteren Brust. Im Rückengriff, bei dem das Baby seitlich unter deinem Arm liegt, zeigt das Kinn eher nach außen oben.

Für Frauen mit wiederkehrendem Milchstau oder verstopften Milchgängen wird deshalb manchmal empfohlen, die Position zu wechseln, damit unterschiedliche Bereiche der Brust regelmäßig gut entleert werden. Wissenschaftlich sauber belegt ist dieser Zusammenhang allerdings nicht durchgängig, viele Hebammen berichten aber übereinstimmend davon. Bei Rötung, Fieber oder einer schmerzhaften, verhärteten Stelle in der Brust gehört das in ärztliche oder Hebammen-Hände, unabhängig davon, welche Position du zuletzt genutzt hast.

Die für euch richtige Stillposition finden

Es gibt keine einzelne beste Stillposition für Neugeborene, die für alle gilt. Manche Babys mögen den Wiegegriff von Anfang an, andere brauchen den Rückengriff, weil er mehr Kontrolle über den Kopf erlaubt. Wieder andere entspannen erst im sogenannten Reiterhaltung-Griff, bei dem das Baby aufrecht auf deinem Oberschenkel sitzt.

Ein paar Dinge helfen beim Ausprobieren:

Achte darauf, ob Ohr, Schulter und Hüfte des Babys ungefähr in einer Linie liegen. Ein verdrehter Kopf macht das Schlucken schwerer. Ein Stillkissen kann Arm und Rücken entlasten, ersetzt aber keine gute Grundhaltung. Und wenn das Anlegen wehtut, obwohl die Position stimmt, kann auch ein Stillhütchen eine Übergangslösung sein, dazu findest du mehr im Beitrag zu Stillhütchen.

Wie das Anlegen im Detail funktioniert und welche Fehler häufig für wunde Brustwarzen sorgen, erklärt der Guide Stillen leicht gemacht ausführlicher. Wer sich schon in der Schwangerschaft auf das Stillen vorbereiten möchte, findet dazu Anregungen im Beitrag Stillen beginnt vor der Geburt.

Und wie oft überhaupt anlegen?

Die Frage nach der richtigen Position hängt oft mit einer zweiten zusammen: wie häufig ein Neugeborenes gestillt werden sollte. Manche Kinder melden sich alle zwei Stunden, andere alle drei, das ist in den ersten Wochen völlig normal und hängt vom einzelnen Baby ab. Wie du diesen Rhythmus erkennst und wann er sich einpendelt, steht ausführlich im Beitrag Stillrhythmus.

Zurück zu meiner Nacht mit dem schreienden Baby: inzwischen weiß ich, dass wir zwischen Liegen und Aufrecht meistens wechseln, je nachdem, wie er gerade drauf ist. Manchmal ist die Antwort auf die Frage nach der richtigen Stillposition einfach: beide, abwechselnd, so wie es gerade passt.

Foto: Blond Fox auf Pexels