Ich saß mit dem positiven Test auf der Badewannenkante und habe sofort im Kopf gerechnet. Periode war vor drei Wochen. Bin ich jetzt in der dritten Woche? Oder schon in der fünften? Ich hatte keinen Schimmer. Vielleicht geht es dir gerade genauso.
Die gute Nachricht: Du brauchst dafür kein Mathestudium. Zwei Dinge reichen, um heute noch eine erste Antwort zu haben.
Was du jetzt konkret tun kannst
Schau als Erstes im Kalender oder in deiner Zyklus-App nach, wann deine letzte Periode begonnen hat. Dieses Datum ist der Ausgangspunkt für alles Weitere, auch wenn es sich komisch anfühlt: Die Schwangerschaft wird nämlich ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung gezählt, nicht ab dem Tag der Befruchtung. Zähle dann die Wochen bis heute. Lag der erste Tag der letzten Periode zum Beispiel zehn Wochen zurück, bist du aktuell in der 11. SSW, gezählt ab Woche null.
Wie genau diese Zählweise funktioniert und warum sie sich von der Zahl der “abgeschlossenen” Monate unterscheidet, erklären wir ausführlich im Beitrag In welcher Schwangerschaftswoche bin ich?. Wenn dir der Unterschied zwischen SSW und Schwangerschaftsmonat noch unklar ist, lohnt sich auch ein Blick in den Glossareintrag Schwangerschaftswochen (SSW).
Hier soll es vor allem um die zweite Frage gehen, die meistens gleich mitkommt: Wann kommt mein Baby ungefähr?
Den Geburtstermin selbst ausrechnen
Für den voraussichtlichen Entbindungstermin gibt es eine Faustformel, die schon Frauenärztinnen vor Generationen genutzt haben: die Naegele-Regel. Sie lautet, erster Tag der letzten Periode, plus sieben Tage, minus drei Monate, plus ein Jahr.
Ein Beispiel: War der erste Tag deiner letzten Periode der 4. März, kommst du mit plus sieben Tagen auf den 11. März. Minus drei Monate landest du beim 11. Dezember. Und plus ein Jahr ergibt sich der 11. Dezember des Folgejahres als errechneter Termin.
Das klingt nach einem festen Datum, ist aber eher eine Orientierung. Nur die wenigsten Babys kommen tatsächlich genau an diesem Tag. Bei einem unregelmäßigen Zyklus wird der Tag der letzten Monatsblutung minus 3 Monate plus 7 Tage gerechnet, wobei bei Bedarf die Anzahl der Tage dazugerechnet oder abgezogen wird, die der Zyklus vom 28-tägigen Rhythmus abweicht, wie es auf frauenaerzte-im-netz.de erklärt wird. Das heißt konkret: Bei einem 35-Tage-Zyklus verschiebt sich der errechnete Termin um etwa eine Woche nach hinten.
Wenn du den Tag der letzten Periode nicht mehr weißt
Das kommt öfter vor, als du denkst. Manche Zyklen sind unregelmäßig, manche Frauen haben schlicht nicht mitgeschrieben, und das ist kein Problem. Beim ersten Ultraschall in der Frauenarztpraxis wird die Größe des Embryos gemessen, meist der Kopfdurchmesser oder die Körperlänge. Diese Messung ist erstaunlich zuverlässig. Laut gesundheitsinformation.de können beim ersten Ultraschall bereits die Körperlänge oder der Durchmesser des Kopfes gemessen werden, wobei die Ergebnisse dabei helfen, die Schwangerschaftswoche und den voraussichtlichen Geburtstermin zu schätzen. Der Termin im Mutterpass wird dann entsprechend eingetragen oder angepasst.
Du musst also nicht zu Hause grübeln und dich unter Druck setzen, die exakte SSW selbst herauszufinden. Deine Frauenärztin macht das beim ersten Termin ohnehin noch einmal genau.
Warum die Woche überhaupt eine Rolle spielt
Die SSW ist keine Zahl zum Angeben beim Elternabend, sondern ein Werkzeug für deine Vorsorge. Der Ersttrimester-Test zum Beispiel wird nur zwischen der 11. und 14. SSW angeboten, danach ist das Zeitfenster vorbei. Auch bei Fragen zu Übelkeit, Ziehen im Unterbauch oder ungewöhnlichen Blutungen ist die genaue Woche wichtig, damit deine Hebamme oder dein Frauenarzt einordnen kann, ob das gerade typisch ist oder ob ein Anruf in der Praxis sinnvoll wäre. Bei stärkeren Schmerzen oder Blutungen gilt das übrigens unabhängig von der SSW: lieber einmal zu viel anrufen als zu wenig.
Kleine Stolperfallen beim Rechnen
Ein paar Dinge sorgen immer wieder für Verwirrung. Der erste: Woche null zählt schon mit. Wer zehn Wochen nach dem ersten Tag der letzten Periode rechnet, ist nicht in der zehnten, sondern in der 11. SSW. Das fühlt sich am Anfang an wie ein Rechenfehler, ist aber einfach die Zählweise.
Der zweite Stolperstein: SSW und Schwangerschaftsmonat laufen nicht synchron. Ein Schwangerschaftsmonat hat vier Wochen, nicht viereinhalb wie ein Kalendermonat. Deshalb bist du am errechneten Geburtstermin nicht im zehnten, sondern im vollendeten neunten Monat. Wer das zum ersten Mal hört, rechnet meist noch mal nach, das ist normal.
Und der dritte: Bei einem sehr unregelmäßigen Zyklus, etwa nach dem Absetzen der Pille oder bei PCOS, kann die Berechnung nach dem letzten Periodenbeginn deutlich danebenliegen. In solchen Fällen verlässt sich deine Frauenärztin ohnehin stärker auf den Ultraschall als auf das Datum, das du im Kalender notiert hast.
Zwei Wege, ein Ergebnis
Du kannst dir das ganze Kopfrechnen auch sparen und einen Online-SSW-Rechner nutzen, zum Beispiel den Schwangerschaftsrechner von Hipp. Der macht in Sekunden, wofür du sonst Zettel und Stift brauchst. Beide Wege, von Hand oder per Rechner, führen zum gleichen Ergebnis. Wichtig ist nur, dass du weißt: Die errechnete Woche und der errechnete Termin sind ein guter erster Anhaltspunkt. Den letzten Feinschliff macht der Ultraschall.
Bei mir hat es übrigens genau elf Tage gedauert, bis ich beim ersten Vorsorgetermin saß und schwarz auf weiß meine SSW im Mutterpass stehen hatte. Bis dahin hatte ich dreimal falsch gerechnet. Macht nichts.


